Das etwas andere Reisetagebuch

 

Madeira, zwei Wochen im Februar 2012

 

 

 

Bemerkung dazu:

 

Bei diesem „etwas anderen Reisetagebuch“ handelt es sich nicht um ein Reisetagebuch, welches man zur Hand nehmen kann, um zu erfahren, was es interessantes in diesem Teil der Welt zu sehen gibt,  sondern um die Beschreibung der Tage, die wir dort verbracht haben. Es fließen persönliche Gedanken, Gefühle und Betrachtungsweisen genauso mit ein, wie Erläuterungen über die Insel, bzw. was wir davon gesehen haben. Es beschreibt meine ganz persönliche Sichtweise und Meinung über das, was wir hier vorfinden.

 

Ich versuche auch, die verschiedenen Stimmungen aufzufangen, die dieses Land und seine Leute mir schenken und würde mich freuen, wenn ich dies entsprechend weiter geben könnte.

 

Diese Reise machen wir zu zweit, das heißt, mein Lebensgefährte Dieter und ich. Ich werde das Reisetagebuch aber in Ich-form schreiben, da es mit Gedanken und Gefühlen bestückt wird und ich diese nur von mir persönlich wiedergeben will und kann.

 

Diesmal haben wir uns für einen Urlaub auf  Madeira entschlossen, ein Urlaub im Februar, wir wollen dem deutschen Winter entfliehen, ein wenig Sonne tanken und endlich einmal wieder grüne Bäume und bunte Blumen sehen.

 

Laut Internet soll das Wetter auf Madeira zwischen 15 und 20 Grad liegen, eine sehr angenehme Temperatur. Madeira, die Insel des ewigen Frühlings, die Blumeninsel im Atlantik, vielgerühmt, ich habe noch nichts Negatives über diese Insel gehört, bzw. gelesen,  wollte schon immer einmal gerne dorthin, weil ich ein Naturfreak bin, Pflanzen und schöne Landschaften liebe – und gerne fotografiere, alles Gründe, Madeira zu besuchen. Nicht zu vergessen der Atlantik, ein für mich sehr wichtiger Faktor, ich liebe das Meer, die Weite des Horizonts, dieses wilde Element, das auch meinen höchsten Respekt genießt.

Also, auf nach Madeira.

Donnerstag, 16.02.12

 

Abflug nach Funchal/Madeira vom Flughafen Frankfurt am Main um 04.50 Uhr – mein Gott wie früh! Wir entschließen uns, mit dem Zug zum Flughafen zu fahren und müssen bereits am Abend des 15.2. von zu Hause wegfahren, da nach Mitternacht kein Zug mehr rechtzeitig in Frankfurt wäre. Das heißt, in dieser Nacht wird nicht geschlafen.

Wir sind dann auch um 0.23 Uhr im Flughafen und vertreiben uns die Zeit, bis wir einchecken können. Irgendwie schaffen wir das, es sind noch viele andere Menschen da, denen es auch nicht besser geht, ein Trost für uns.

 

Beinahe pünktlich startet die Condor, bei Dunkelheit, es wird uns gesagt, dass der Flug heute nur dreieinhalb Stunden dauert (lt. Flugticket vier Std.), warum auch immer – vielleicht haben wir einen günstigen Wind. Umso besser, das lange Sitzen in den engen Flugzeugen ist mir nie ein Vergnügen.

Tatsächlich landen wir auch vor 07.30 Uhr Ortszeit, Madeira liegt eine Stunde hinter uns, also wurde uns eine Stunde geschenkt. Das passiert auch nicht alle Tage!

 

Wir sehen, dass der Flughafen direkt am Atlantik liegt, wenn die Landebahn nicht reichen sollte, dann würde das Flugzeug ins Meer stürzen, sieht schon komisch aus.

Später haben wir noch erfahren, dass die Landebahn zum Teil auf Betonpfeilern ruht, die man mit dem Auto unterfahren kann – eine architektonische Leistung.

 

Der Himmel ist stark bewölkt, als wir in Funchal das Flugzeug verlassen, es weht ein frischer Wind, 15 Grad -  nicht gerade traumhaft, aber es ist ja noch früh am Tag, denke ich mir, optimistisch, wie ich immer bin.

Alles klappt reibungslos, um 9 Uhr sind wir schon in unserem Hotel, das Eden Mar Hotel am westlichen Rande von Funchal – ein vier Sterne-Hotel und ein guter Griff, wie sich sogleich herausstellt. Das Hotel ist sehr schön und liegt mit zwei weiteren Hotels in einem großen Park mit herrlich südländischer Vegetation, was mit ein Grund für unsere Buchung war. Dieses ganze Viertel besteht aus Hotels, Restaurants, Geschäften und Supermärkten – also ein überwiegend touristisches Gebiet.

 

Wir haben ein kleines Appartement gebucht, mit Küchenzeile, um unabhängiger zu sein – und nehmen es sogleich in Beschlag, es gefällt uns. Wir haben Meerblick, ganz wichtig – vom kleinen Balkon sehen wir auch einen Teil der herrlichen Gartenanlage und einen der Schwimmingpools.

Herrlich grün ist alles und überall blüht es, so eine Augenweide nach den tristen und teils trüben Wochen zu Hause. Gegen Mittag kommt dann endlich die Sonne durch die Wolken und sogleich ist es wärmer, wenn der Wind nicht wäre, könnte man schwimmen gehen.

 

Wir erkunden das direkte Umfeld und entschließen uns dann, in das Zentrum von Funchal zu laufen. Wir dachten, es gäbe eine Promenade ins Zentrum, stellen aber schnell fest, dass das nicht stimmt, wir müssen eine sehr stark befahrene Straße entlang laufen, viele Touristen sind dort unterwegs. Es gibt auch da sehr viel Grün zu sehen, überall schöne Gärten mit blühenden Blumen, das fällt mir angenehm auf. Herrliche Exemplare der Bougainvillea, die alles bunt überrankt, ganze Mauern hat sie hier überzogen - ich liebe sie, eine reine Augenweide.

Der Weg zieht sich ganz schön, eigentlich wollten wir gar nicht so lange laufen, aber nun sind wir auf dem halben Weg, da dreht man nicht um. Irgendwann sind wir am Hafen, nachdem wir noch eine sehr steile Straße hinunter gehen mussten. Es liegt ein großes Kreuzfahrtschiff vor Anker, die MSC Fantasia, wie wir gleich feststellen.

 

Wir schlendern am Hafen entlang, trinken dort etwas und gehen dann in das Zentrum der Stadt, welches uns auf Anhieb gefällt. Typisch südländisch, eng, viele alte Häuser, sehr viele schmiedeeiserne Balkone und überall Leben und Lachen, Straßencafés und Restaurants – und diese herrlichen Düfte, die aus allen Ecken zu kommen scheinen. Dazwischen natürlich auch stinkende Autos in den engen Straßen, bis wir in eine kleine Fußgängerzone kommen, dort wird es etwas ruhiger. Funchal ist tatsächlich die grünste und blühendste Stadt, die ich je gesehen habe, herrlich große Palmen überall. Wir gehen ziellos durch die Straßen, verlaufen uns, als wir Richtung Hotel gehen wollen und nehmen schließlich ein Taxi für den Rest des Weges, weil ich einfach kaputt bin.

 

In der kommenden Nacht schlafen wir wie die Ratten, fehlen uns doch die Schlafstunden aus der Nacht zuvor.

 

Die MSC Fantasia liegt im Hafen von Funchal

Freitag, 17.02.12

 

Als ich am Morgen aufwache, gehe ich sofort zum Fenster, um hinaus zu schauen, einfach neugierig wie der Morgen hier aussieht. Es ist aber noch dunkel, ist ja auch erst kurz nach 6 Uhr. Der Mond steht als Sichel am Himmel, direkt über den hohen Palmen des Hotelgartens – ein wunderschönes Bild.

 

Als wir später aufstehen, ist es hell, der Himmel hat nur wenige kleine Wolken und die Sonne scheint, es ist sehr mild. Wir entschließen uns, auf dem Balkon zu frühstücken, wie herrlich – das mitten im Winter – dazu das Gezwitscher der Vögel, wir  genießen alles.                            Um 10.30 Uhr gehen wir zu der Begrüßungsstunde der Reiseleitung in unser Nachbarhotel, buchen dort auch gleich zwei Ausflüge. Einer führt uns am nächsten Tag in den Norden  und Osten der Insel, der zweite in den Norden und Westen, ein paar Tage später. So bekommen wir einen Überblick, bzw. Einblick in die Insel, dann wollen wir uns später evtl. einen Mietwagen nehmen und auf eigenen Faust etwas unternehmen.

 

Nach dieser Stunde laufen wir die Promenade in Richtung Westen, weil das Wetter so schön ist, es ist warm, man hat einen herrlichen Blick auf das Meer – und immer wieder diese wunderschöne Vegetation. Viele Pflanzen, die man zu Hause im Blumentopf im Wohnzimmer stehen hat, sieht man hier als prächtige Bäume, mitunter auch blühend. Gummibäume, Fünffingerblatt und wie sie alle heißen. Wenn ich an meine Bougainvillea denke, die notgedrungen im Schlafzimmer überwintern muss, natürlich zurückgeschnitten – wie würde sie sich freuen, hier blühen und alles überranken zu dürfen. Sie tut mir in dem Moment richtig leid, weil sie nie die Chance haben wird, ihre Kräfte und ihre wirklich Schönheit zu zeigen.

 

Immer wieder schöne Ausblicke von der Promenade aus

Kurz nach Mittag suchen wir uns eines der vielen kleinen Restaurants aus, die an der Promenade liegen und essen etwas. Danach entschließen wir uns, nicht weiter zu gehen, denn das Wetter hat sich geändert, es ist nun wolkig und kühl. Jacken haben wir nicht dabei, also gehen wir in Richtung Hotel, nehmen dann schließlich den Stadtbus, der hier grundsätzlich pro Fahrt 1,90 € kostet, egal wie weit man fährt. Anschließend besuchen wir ein Shoppingcenter ganz in der Nähe des Hotels und sind enttäuscht, da sehr viele Läden leer stehen. Das Center ist noch nicht alt, wie man sehen kann, alles sieht sehr gepflegt aus, warum also sind so viele Läden geschlossen? Liegt es vielleicht daran, dass jetzt im Winter nicht so viele Touristen da sind, als zu den anderen Jahreszeiten? Wir haben keine Ahnung und sind ein paar Minuten später auch schon wieder draußen.

 

Eine Pizzeria unterhalb unseres Hotels sieht sehr gut aus, wir kehren ein und lassen uns ein Nudelgericht schmecken, dazu ein Gläschen Rotwein. Wir denken an den morgigen Ausflug, auf den wir uns natürlich freuen – kann das Leben schöner sein?

 

 

 

 

Ein spektakuläres Bild sah ich am frühen Abend des 17.2. vom Hotelflur aus, im Vorbeigehen... aber flott holte ich den Fotoapparat.

 

Die Sonne scheint durch die Wolken, die Strahlen treffen eine "Wohnburg" - ein herrliches Naturschauspiel.

 

 

 

Samstag, 18. Februar 12

 

Aufstehen um sechs Uhr, da die Fahrt (Tour in den Norden und Osten) um 8.15 Uhr los geht. Ich lasse mir morgens gerne Zeit für alles, mag keine Hektik, deswegen das frühe Aufstehen.

Der Mond steht wieder zwischen den Palmen am noch nachtschwarzen Himmel. Ich begrüße ihn und erfreue mich an seinem Anblick. Im Moment zeigt er sich mir nur als Sichel, aber je länger ich hin sehe, desto mehr erkenne ich seinen ganzen Umfang – oder erahne ich ihn nur? Ich denke, ich sehe ihn wirklich. Eine Stunde später ist der Himmel nicht mehr schwarz, sondern tief-dunkelblau, dahinter sieht man schon den Morgen auftauchen, die Sonne schickt die erste Morgenröte voraus – das muss ich fotografieren. Wir frühstücken im Appartement, weil es draußen noch zu kalt ist.

 

 

 

 

 

Der Mond als kleine Sichel, vom Osten kommt schon die Morgenröte

Warme Jacken wurden uns für die Fahrt empfohlen, weil es bis über 1.800 m hoch geht – und in dieser Höhe ist es um die Jahreszeit auch auf Madeira frisch. Und los geht es, bestückt mit Fotoapparat natürlich, Dieter hat dieses Jahr wieder die Videokamera mitgenommen, viel zu lange haben wir nicht mehr gefilmt, also wird ein Video gedreht und es werden Fotos geschossen. Das Fotografieren der Natur ist mir immer wichtiger – und gerade an neuen Orten hochinteressant, weil viele neue Eindrücke auf einen einstürmen, die man festhalten möchte. 

 

Wir sind ca. 25-30 Leute, die sich zur Fahrt einfinden, alles ältere Paare. Eine einheimische Reiseleiterin begleitet uns heute, sie spricht sehr gut deutsch – und auch noch andere Sprachen, wie wir erfahren.

Zunächst fahren wir nach Camacha, eine Kleinstadt, die 700 m hoch liegt und bekannt ist durch ihre Korbflechter. Dieses Handwerk ist allerdings am Aussterben, da viel zu schlecht damit verdient wird. Als wir aussteigen, ist es sehr kühl und es nieselt etwas.

 

Der Blick auf das Meer ist wunderschön, man sieht auf diese unbewohnten Inseln, Illhas Desertas genannt, südlich von Madeira, die gerade auch noch in einem ganz tollen Licht liegen. Ich fotografiere diese Inseln und ihr Licht und hoffe auf schöne Fotos!

Wir schauen uns die Korbflechter kurz an, drei sind es an der Zahl. Ich denke mir, als ich ihnen so zuschaue, dass man, wenn man sich einen Korb kauft, gar nicht weiß, welche flinken Hände dahinter stecken.

Blick auf die unbewohnten Inseln "Illhas Desertas"                  Die Korbflechter

 

Zudem wird hier noch der übliche Touristenkitsch angeboten, man kann einen Kaffee trinken - der Espresso kostet mich gerade mal 65 Cent - dann fahren wir auch schon weiter. Für mich war dieser Platz nicht sehr interessant, das klang im Prospekt vielversprechender. Ich denke, das schlechte Wetter macht auch viel aus, man hätte schon einiges fotografieren können, wie z.B. wunderschön blühende Kamelienbäume, die man hier überall sieht, sie blühen rot, oder auch weiß.

 

Dann geht es weiter, die Passstraßen hoch zum dritthöchsten Berg Madeiras, dem Pico Arieiro, der 1818 m hoch ist. Es liegt noch ein wenig Schnee dort, weil es hier am Tag zuvor geschneit hat – wir stoppen nicht wie vorgesehen, denn wir sind in dichten Wolken, man hat keine Aussicht, was sehr schade ist. Wie wir auf dieser kurzen Fahrt sehen können, ist Madeira sehr zerklüftet, sehr viele tiefe Täler durchschneiden immer wieder die Landschaft, es sieht faszinierend aus, ein stetes Auf und Ab. Bei schönem Wetter muss man hier einen herrlichen Blick haben, wie uns gesagt wird, kann man die Küsten des Südens und des Nordens von hier aus sehen, aber heute Morgen leider nicht. Also geht es wieder bergab, wir fahren nach Ribeiro Frio, was soviel wie „kalter Fluss“ heißt.

Dieses Gebiet steht unter dem Schutz der UNESCO, ein Biosphärenreservat mit viel ursprünglichem Wald. Mir sind schon den ganzen Tag die vielen wunderschönen Baumfarne aufgefallen, noch nirgends habe ich diese in solchen Mengen gesehen, wie hier auf Madeira.

In Ribeiro Frio besuchen wir eine Forellenzucht, die auf 860 m Höhe liegt, inmitten eines Lorbeerwaldes. Sehr eng geht es hier für die Busse zu, die Touristen bringen. In einer kleinen Bar wird Poncha angeboten – das ist ein National-getränk, bestehend aus 50% Rum, 25% Obstsaft (Zitrone oder Orange o.ä.) und 25% Honig. Man kann den Poncha heiß, oder auch kalt trinken. Wir wollen ihn nicht probieren, obwohl man ihn heute zum Aufwärmen gut vertragen könnte, es ist recht kühl und regnerisch. 

 

Laut unserem Reiseführer, den wir uns noch zu Hause besorgt haben, gibt es hier einen Umweltlehrpfad, der üppig grün ist und an einen Urwald erinnert. Schade, dass keine Zeit bleibt, ihn zu besuchen. Das Wetter ist zwar nicht ideal, aber trotzdem. Das ist der Nachteil, wenn man an geführten Touren teilnimmt, andererseits erfahren wir aber auch viel über Land und Leute von der einheimischen Reiseleiterin, was wir sonst nicht erfahren hätten.

Wir fahren weiter und sehen Lorbeer- und Eukalyptusbäume, Avocadobäume, Mango-, Mispel-, Feigen-, Orangen-, Zitronenbäume und noch viele andere. Es blühen Blumen am Wegrand und in Gärten - hier scheint wirklich alles zu gedeihen. Die Reiseleiterin sagt uns, dass  das ganze Jahr über geerntet werden kann, Kartoffeln z.B. soll man 3-4-mal ernten können.

Immer wieder blicken wir in tiefe Schluchten, dieses Land ist sehr zerklüftet, das habe ich in diesem Ausmaß noch nie zuvor gesehen.

 

Dann kommen wir in Santana an, einer Kleinstadt im Norden, dort gibt es noch diese sehr kleinen, bunten und strohgedeckten Häuser (Casas de Colmo) zu sehen, die für Madeira einmal typisch waren. Sie sind keltischen Ursprungs, heute sind nur noch ein paar bewohnt. Noch vor wenigen Jahrzenten waren sie üblich, die Leute waren sehr arm. Es geht sehr eng in den Häusern zu, das Obergeschoß ist nur von außen über eine Leiter zu erreichen, dort schliefen die Kinder.

Heute sind fast alle für die Touristen hergerichtet und werden dementsprechend als winzige Läden genutzt, es gibt Handwerk und sonstige touristische Artikel zu kaufen. Wirklich sehr schön sind sie anzusehen, werden auch dementsprechend viel fotografiert.

 

Die Fahrt geht weiter in den östlichsten Zipfel von Madeira – Sao Lourenco, eine schmale Landzunge, dort stoppen wir an einem Aussichtspunkt, der wirklich tolle Aussichten gewährt. Ein herrlicher Blick auf die Brandung unter uns, mit vielen Felsen im Meer (erinnert mich an Bilder von der Algarve) reizt wieder zum Fotografieren. Das Gebiet ist ganz untypisch für Madeira, sehr trocken und felsig, nur spärliche Vegetation. Ein eigentümlicher Kontrast zu dieser grünen Insel, was auch seinen Reiz hat.

 

Schließlich geht es weiter zur letzten Station dieser heutigen Tour, nach Machico, einer Kleinstadt, die bis ins 16. Jahrhundert Hauptstadt war. Sie ist die älteste Siedlung von Madeira. Ein kleiner, gemütlicher Platz vor einer sehr alten Kirche, der mit vielen Bäumen geziert ist scheint der Mittelpunkt der Kleinstadt zu sein. Der Ursprung der Kirche geht ins 15. Jahrhundert zurück. Ein paar Geschäfte, Cafés, kleine Straßen und Gassen, sowie ein künstlich angelegter Sandstrand am Hafen (der Sand wurde aus Marokko importiert) prägen das Gesicht. Mir scheint das Städtchen gemütlich zu sein und wie so oft im Süden haben die Männer wohl mehr Zeit, als die Frauen. Sie bevölkern die Cafés, als auch die Bänke im Zentrum und halten ihre Schwätzchen. Zeit scheint für sie kein Thema zu sein!

 

Dieter filmt ein paar alte Männer, die auf den Bänken vor einer Bank (Geldinstitut) sitzen und meint: „und das hier sind die Bänker von Machico“, was ich für einen tollen, witzigen Einfall halte, darauf muss man erst einmal kommen. 

 

Bald darauf verlassen wir die Kleinstadt und fahren in Richtung Funchal, denn die Reise geht dem Ende zu. Wir unterfahren die Landebahn des Flughafens von Madeira, was sicher einmalig ist, dabei sehen wir die riesigen Betonpfeiler (es sind 99 Stck.lt. Reiseleiterin), auf denen die Landebahn ruht. Ein Flugzeug sehen wir landen, es kommt scheinbar geradewegs auf uns zu, sieht irgendwie ganz toll aus.

Die Madeirenser hatten kaum eine Möglichkeit, eine längere Landebahn zu bauen, die vorherige war viel zu kurz und durfte nur von portugiesischen Piloten angeflogen werden, weil die Landung recht gefährlich war.

Es bot sich nur die Hochebene der Insel an, was Gott sei Dank nicht ausgeführt wurde, denn es wäre für die Natur dieses wunderschönen Fleckchens Erde ein großer Nachteil gewesen. Wie uns die Reiseleiterin sagt, wurde diese Möglichkeit deswegen nicht genutzt, da auf dieser Hochebene das Wetter zu unstet ist, d.h. sie liegt sehr oft in den Wolken. So wurde die Landebahn eben ins Meer hinaus erweitert, indem sie in der Verlängerung auf Betonpfeiler gesetzt wurde.  Sie ist nun beinahe doppelt so lang, als zuvor, also jetzt um die 2,8 km lang.

 

Um 17 Uhr sind wir wieder zurück im Hotel.

 

Fazit: eine schöne und interessante Tour, aber leider war es insgesamt zu kalt und teils auch zu wolkig – wir konnten die Landschaft nicht zu 100% genießen, da uns durch das trübe Wetter doch einige Ausblicke nicht vergönnt waren.

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Am Abend fahren wir mit dem Bus in das Zentrum von Funchal, es ist Karneval, um 21 Uhr beginnt ein großer Umzug, der ein kleiner Verschnitt des Karnevalsumzuges von Rio de Janeiro sein soll, also sollten wir uns den ansehen. Das scheinen noch viele Menschen vor zu haben denn der Bus ist überfüllt und als wir im Zentrum sind, wimmelt es nur so von Menschen die alle Richtung Hafenzone gehen, wo der Umzug entlang ziehen wird.

Zum ersten Mal sehen wir auch das beleuchtete Funchal, dieser Anblick fasziniert uns sofort. Alle Bäume auf der breiten Avenida Arriaga sind mit Lichterketten übersät und alle Palmen an der Hafenpromenade ebenso, das sieht fantastisch aus. Es herrscht eine sehr fröhliche und ausgelassene Stimmung überall, das ist ansteckend.

 

Wir stellen uns an der Hafenpromenade zwischen die Zuschauer, der Umzug beginnt dann auch pünktlich und dauert eineinhalb Std. Der Vergleich mit dem Karneval in Rio ist vielleicht ein wenig weit her geholt, aber einige Wagen und Kostüme lassen diesen Gedanken schon aufkommen. Auf jeden Fall ist sehr viel los, sehr viel Musik, viele bunte Kostüme, einige davon wirklich sehr schön und aufwendig, toll hergerichtete Wagen und alle Mitwirkenden sind immer am Tanzen. Die Männer kommen auch auf ihre Kosten, denn etliche leicht bekleidete Frauen sind zu bewundern.

Ach ja, ein kleines Feuerwerk fand noch statt, kurz vor Beginn des Umzuges, das war eine schöne Überraschung, so ein Feuerwerk liebt doch jeder.

Die Stadt ist auch nach dem Umzug noch voller Leben. Wir setzen uns in ein Straßencafé und essen eine Kleinigkeit, wie viele andere auch. Es ist nach Mitternacht, als wir ins Hotel zurück kommen.

 

Sonntag, 19. Februar 12

 

Heute wollen wir einfach nur urlauben, d.h. faulenzen und tun, was uns gerade einfällt. Das Wetter scheint ganz gut zu werden, die Sonne scheint am Vormittag, so gehen wir nach dem späten Frühstück an den Pool, um uns auf die Liegen zu legen, zu lesen, aufs Meer zu schauen und einfach die Zeit verstreichen zu lassen.

Es scheint wieder einmal einer dieser Tage zu sein, an dem die Zeit irgendwie still steht und der doch voran schreitet, er kommt mir beinahe unwirklich vor. Ich liebe solche Tage, sie schenken mir Ruhe und auch Genuss, ich bin dann fähig, etwas Abstand von allem zu nehmen.

 

Leise Musik vom Poolcafé, gedämpfte Menschenstimmen, die – wie in der Kirche - beinahe flüstern. Auch das Meer hat diesen Müßiggang übernommen, keine Welle ist zu sehen, es ist glatt wie ein Spiegel – all das trägt zu dieser besonderen Stimmung bei und rundet das Bild perfekt ab. Gerüche der südländischen Küche, die sich in einer der vielen Schubladen des Gehirns verstauen, um irgendwann plötzlich erinnungsbeladen wieder aufzutauchen, nehme ich genießerisch und intensiv auf.

Ich schaue Bienen und Hummeln zu und wunderschönen Schmetterlingen, die Blüten besuchen, die ich noch nicht kenne. Selbst der leichte Chlorgeruch des Pools kann mich heute nicht stören.

 

Wir stellen fest, dass sehr viele Engländer hier sind, sie scheinen gegenüber den Deutschen weit in der Überzahl zu sein, auch wir werden meist in Englisch angesprochen. Natürlich hört man viel portugiesisch, ein oder zwei Leute sprechen französisch, sogar russisch hören wir. Ich finde dieses Sprachengewirr schön, die Menschen kommen immer irgendwie miteinander klar, wenn sie wirklich wollen -  und sei es mit Händen und Füßen.

Auch dieser Tag vergeht, sehr beschaulich und erholsam.

 

Am Abend gehen wir in unsere Hotelbar, um 21 Uhr ist Livemusik angesagt, Gitarrenmusik. Es sind drei Musiker, die wahnsinnig gut Gitarre spielen, sie legen mitunter eine Schnelligkeit an den Tag, dass ihre Finger nur so über die Saiten fliegen, das ist Wahnsinn. Sie spielen Welthits und begeistern das Publikum total. Wir bekommen noch mit, dass sie im Juni in Deutschland gastieren, in Saarbrücken, also ganz in unserer Nähe – mal sehen, vielleicht sehen und hören wir sie dann wieder?!

 

In der Hotelbar wird übrigens jeden Tag etwas geboten, wovon wir ansonsten keinen Gebrauch machen, außer Dieter geht an der großen Leinwand Fußball schauen.

Es geht ruhig und gediegen zu in diesem Haus, das Personal ist sehr freundlich und hilfsbereit, alles ist sehr sauber und gepflegt, das Hotel Eden Mar können wir guten Gewissens weiter empfehlen!

 

Montag, 20. Februar 12

 

Als wir recht spät aufstehen, ist es kühl und sehr stark bewölkt.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg in die City von Funchal, wir nehmen den Bus, weil wir noch  viel laufen wollen und der Weg in das Zentrum gute 2 km lang ist. Wir haben uns die Altstadt vorgenommen.

Als wir am Hafen ankommen, sehen wir drei Kreuzfahrtschiffe dort liegen – die AIDA sol, die Independence oft the sea und ein Schiff von TUI – ein toller Anblick, drei solche Riesen.

Das Wetter hat sich  gebessert, es ist warm und auch freundlicher geworden – und in der Stadt ist sehr viel los, sicher auch viele Passagiere der Kreuzfahrtschiffe, die Funchal besuchen.

 

Dort wo die Altstadt beginnt, liegt auch die Markthalle, die man sich unbedingt ansehen sollte. Vor der Markthalle stehen mehrere Tulpenbäume voll in Blüte, das sieht herrlich aus, natürlich sind sie mir ein paar Fotos wert.

 

In der Markthalle sind viele Menschen, aber es ist noch angenehm, am Wochenende wird es sicher schlimmer sein. Bunt, wie ein Markt nun einmal ist, begeistert er uns, wir nehmen das Stimmengewirr wahr und viele Gerüche auf. Obst in Hülle und Fülle, Gemüse, Gewürze, natürlich Pflanzen und Blumen – und Fisch. Auch den schwarzen Degenfisch sehen wir hier, er ist tatsächlich nicht schön, hat ein langes Maul mit vielen kleinen Zähnen. Es gibt ihn nur um Madeira, er lebt in mindestens tausend m Tiefe und wird mit langen Angeln geangelt. Noch kein Mensch hat ihn angeblich lebend gesehen, da er stirbt, wenn er aus der Tiefe gezogen wird, wohl durch das schnelle Auftauchen an der Angel. Dieser Fisch schmeckt fantastisch, man sollte ihn unbedingt probieren. Einmal haben wir ihn bisher gegessen, er hat so gut wie keine Gräten und ist sehr zart – wir werden ihn sicher noch einmal essen.

 

Dann probieren wir noch die madeirensischen Silberbananen, sie schmecken noch besser, als uns erzählt wurde – noch nie habe ich so süße Bananen gegessen, sie haben einen sehr intensiven Geschmack, sind sehr klein. Fünf Stück haben wir gekauft - für 2,50 € - und auch gleich „verputzt“, wir dachten, dann müssen wir sie nicht mit uns herum tragen...

 

Natürlich mache ich etliche Fotos in der Markthalle – und Dieter ist ständig am Filmen mit der Videokamera.

 

Dann schlendern wir durch die Altstadtgassen und sind begeistert ob der Atmosphäre, die wir hier aufnehmen. Die Häuser sind sehr alt, teils renoviert, teils renovierungsbedürftig, aber es ergibt ein rundes Bild, das einfach passt – dazu etliche alte Tante-Emma-Läden, viele schmiedeeiserne Balkone, Pflanzen, die aus Ritzen wachsen, Wäsche, die auf kleinen Dächern flattert – Süden eben, herrlich – und immer wieder irgendwelche kleinen Idylle.

 

Ich denke immer, dass die Menschen, die in südlicheren Gefilden leben, leichter leben als wir, ob das stimmt, oder nur ein Trugschluss ist?  Man sieht als Tourist einfach nur diese Leichtigkeit, die sich teilweise auch auf einen selbst überträgt. Einen Großteil macht sicher auch die Sonne aus, das kennt man ja von zu Hause – wenn die Sonne scheint, erscheint einem das Leben sofort leichter, schöner – mir geht es jedenfalls so. Ich kenne eine Menge Menschen, denen es ganz genauso ergeht.

 

Wir sehen immer mehr wunderschön bemalte Haustüren, die ich natürlich fotografiere, zumindest die, die mir am besten gefallen, aber das ist gar nicht so einfach, viele sind schön und voller Fantasie.

 

Hungrig muss man hier nicht lange bleiben, überall in den Gassen sind kleine Restaurants, oft eines neben dem anderen, man wird im Vorbeigehen an fast jedem Restaurant angesprochen. Das scheint hier so üblich zu sein, wirkt auch gar nicht aufdringlich – so lassen wir uns ganz gerne animieren, setzen uns und nehmen eine kleine Mahlzeit zu uns. Herrlich, so mitten im Februar draußen zu sitzen, die Sonne zu genießen und dabei Hunger und Durst zu stillen J das Ausruhen tut uns auch gut.

 

Später kommen wir an eine Kirche und gehen hinein, verweilen sogar und genießen die Ruhe dort. Die Madeirenser sind zu 98% römisch-katholisch und sehr gläubig, man sieht es an den vielen Kirchen, die wir überall finden - nach Möglichkeit schauen wir auch immer wieder hinein – diese gewisse Stimmung aufnehmen. Wir verlassen die Altstadt und schlendern durch die Haupteinkaufsstraße, irgendwann kommen wir an die Kathedrale „Se“ und schauen auch dort hinein, das Gebäude an sich gefällt mir sehr gut. 1517 wurde sie geweiht, sie ist recht streng in ihrer Architektur, dieser Stil gefällt uns sehr gut, sie wirkt schlicht und gerade deswegen wirkt sie.

 

Nebenan im „Café Funchal“ ruhen wir uns bei Kaffee und Kuchen aus, bevor wir dann noch den kleinen Stadtpark besuchen, wieder einmal die Vegetation bestaunen. Einen Tag zuvor las ich in einem Reisebuch über Madeira von dem sogenannten „Leberwurstbaum“ und habe mich gewundert. Heute schon sehe ich ihn im Stadtpark und verstehe sofort, warum er so genannt wird, sieht aus, als würden lauter Leberwürste von den Ästen hängen.

Auch sehe ich einen großen Bruder (oder Schwester?) meines Elefantenfußes zu Hause, dieses Exemplar hier ist mindestens 4 m hoch.

 

Schließlich nehmen wir den Bus zurück und sind gegen 19 Uhr im Hotel, müde und kaputt, wir sind sehr viel gelaufen, haben aber auch sehr viel gesehen. Wir stellten heute wieder fest, dass uns Funchal gefällt, diese Stadt hat Atmosphäre, ist sehr grün und voller Leben. Es herrscht zwar auch sehr viel Verkehr, aber wo ist das nicht der Fall? Normalerweise mag ich keine größeren Städte, diese hier macht eine angenehme Ausnahme.

 

Man hat auch immer diesen herrlichen Blick auf das Meer, auf der anderen Seite die Stadt, die sich über die Hänge erstreckt, bis hoch hinauf, was besonders am Abend, mit all den vielen Lichtern, fantastisch aussieht. Das muss ein wunderschöner Anblick für  Schiffsreisende sein, die den Hafen von Funchal anlaufen. 

Dann der Blick ins Gebirge, dessen Spitzen  heute den ganzen Tag in Wolken hingen. Irgendwie sieht es oft so aus, als würde es gleich zu regnen anfangen, aber die Wolken verziehen sich dann doch – das haben wir die vergangenen Tage schon festgestellt.

Dienstag, 21.02.12

 

Die Sonne scheint schon am frühen Morgen, es ist warm, scheint ein sehr freundlicher Tag zu werden. Mit fällt eine Wolkenfront auf, die im Osten steht und wie eine riesengroße Mauer aussieht, westlich davon ist der Himmel blau und sonnig.

Wir entscheiden uns kurzfristig für einen Mietwagen heute, um etwas herum zu fahren, also gehen wir in das entsprechende Büro in dem Einkaufscenter unter unserem Hotel – um 11 Uhr kann es schon los gehen, alles sehr unkompliziert. Wir fahren in Richtung Westen, wollen an der Küste entlang, ein paar Orte durchfahren, bis nach Calheta, da wir gelesen haben, dass es dort einen kleinen Sandstrand gibt, den wollen wir uns ansehen.

 

Zuerst kommen wir nach Camara de Lobos, eine Kleinstadt, die ca. 5 km von unserem Hotel entfernt liegt, sie gefällt uns auf Anhieb, aber wir fahren durch, weil wir sie einmal zu Fuß besuchen wollen, da die Promenade, die an unserem Hotel beginnt, bis zu diesem Ort führt.

So fahren wir weiter, an der Küste entlang, es geht steil bergauf auf der Küstenstraße, mit herrlichen Ausblicken auf das Meer, welches in der Sonne glitzert.

Wir fahren das Cabo Girao an, eine der höchsten Steilküsten der Welt, 580 m hoch. Man sieht sie schon von Weitem, ein wirklich imposanter Anblick. Oben angekommen ist der Weg zum Aussichtsplatz gar nicht schön, sieht irgendwie sehr ungepflegt aus, das verwundert uns sehr. Dort stehen zwei alte Männer am Wegrand, die betteln, was wir nicht erwartet haben. Ich glaube, es gibt schon ärmere Menschen hier, als bei uns in Deutschland.

Der Aussichtsplatz ist übersät mit kleinen Händlern, die Handarbeiten anbieten, für uns aber nicht von Interesse.

 

Vorne angelangt, haben wir eine tolle Aussicht und sehen auch die Gärten, die unten am Fuße der Steilküste am Meer liegen. Die Leute, die diese Gärten bearbeiten, kamen immer nur mit dem Boot zu diesen Plätzen, mittlerweile gibt es einen Fahrstuhl, den wir aber nicht zu Gesicht bekommen. Es ist eigentlich unvorstellbar, wieso jemand dort unten noch Bananen usw. anpflanzt, aber es ist nun einmal so – sie werden wissen warum. Überhaupt wird hier auf der Insel jedes noch so kleine Plätzchen ausgenutzt, indem es bepflanzt wird, sehr viele Terrassengärten, deren Parzellen immer kleiner wurden, da sie immer weiter vererbt und geteilt werden mussten.

Viele Bananen werden hier kultiviert, können aber nicht in die EU (außer in das Mutterland Portugal) ausgeführt werden, da sie zu klein sind. Die EU verlangt als Mindestmaß 14 cm Länge und enthält uns damit die besten Bananen vor, die wir je im Leben gegessen haben. Diese kleinen Bananen hier sind so wahnsinnig aromatisch, schmecken so süß und intensiv, dass man alles andere vergessen kann, was man bisher gekannt hat. Muss man diese Richtlinien der EU  verstehen???

 

Dann fahren wir weiter in Richtung Westen, nehmen jetzt die Schnellstraße um eben schneller ans Ziel zu kommen, weil wir nicht wissen, an welchen schönen Orten wir noch Zeit investieren dürfen.

Schließlich kommen wir in Calheta an, fahren auch gleich zu dem Sandstrand – und sind sehr enttäuscht. Wir hatten ja gelesen, dass es sich um einen kleinen Strand handelt, aber dass er so klein sein würde, hätten wir im Traum nicht gedacht. Es handelt sich um zwei Strände, der Sand wurde aus Marokko importiert, den hätten sie mal lieber dort gelassen…

Nun, ich will nicht ungerecht sein, es scheint Menschen zu geben, die hier Urlaub machen, es gibt Hotels, auch Ferienwohnungen, eine Palmenpromenade, Restaurants, Bootsverleih und auch einen Supermarkt. Dahinter ein kleiner Yachthafen – dieser ganze Komplex steht für sich alleine, wie gesagt an diesen beiden winzigen Stränden. Hinter diesen Häusern gehen direkt die Steilwände der Felsen hoch, da ist sehr wenig Platz. 

Die Sandstrände werden von riesigen Betonklötzen gegen das Meer hin geschützt, was sicher von Nöten ist und für die Badenden von großem Vorteil – aber es sieht hässlich aus und lässt zumindest bei uns keine Urlausstimmung aufkommen, hier möchten wir nicht unseren Urlaub verbringen.

Mit Sicherheit haben die Madeirenser hier eine kleine Meisterleistung vollbracht, die ich auch nicht schmälern möchte, ich gebe hier nur meine ganz eigene Meinung wieder.

Madeira ist eben keine Badeinsel, das weiß man, wenn man hier her kommt – sie hat dafür sehr viele andere Schönheiten, die auch wir suchen und finden.

 

In dem Supermarkt kaufen wir uns Brötchen und Salami, dazu eine Flasche W… nein, nicht Wein, sondern Wasser L – dann lassen wir uns auf einer Bank am Strand nieder und machen eine verspätete Mittagspause, von Tauben begutachtet, die auf ein paar Brösel von den Brötchen warten, natürlich auch bekommen.

Nun fahren wir wieder zurück, in Richtung Funchal, machen Halt in Punto do Sol, weil es laut Reiseführer eines der schönsten Städtchen Madeiras sein soll, mit einem schönen Ortskern. Am Meer steht eine bunte Häuserfront, die sehr freundlich aussieht, dort gibt es auch zwei Cafés, die von ein paar Touristen besucht sind. Der Ort selbst ist wie ausgestorben. Man muss fairer Weise sagen, dass es Karnevalsdienstag und dieser hier ein Feiertag ist, was uns im Hotel gesagt wurde, vielleicht ist deswegen „tote  Hose“ hier. Wir schauen uns ein wenig um, finden aber nicht, dass wir hier länger verweilen müssen und sind auch schon wieder fort.

Nächster Halt ist in der kleinen Stadt Ribeira Brava, was übersetzt „reißender Fluss“ heißt - hier kann man ein bisschen besser verweilen. Es gibt eine sehr schöne alte Kirche, ihren Turm zieren blaue und weiße Fliesen. Da sind viele kleine Geschäfte, die auch zum größten Teil geöffnet haben und etliche Cafés. Vor dem Steinstrand ist eine sehr große Terrasse, dort lassen wir uns nieder und trinken einen Kaffee, genießen die Sonne und das Meer. Wir können uns vorstellen, dass an einem Werktag hier buntes Treiben herrscht.

 

Weiter geht es dann in Richtung Osten, wieder fahren wir durch Camara de Lobos und sind kurz darauf am Hotel angelangt, geben das Auto auch gleich wieder ab. Wir hatten einen kleinen Renault Clio für runde 45 €/Tag.

 

Fazit des Tages: Madeira ist voller Schluchten, oft liegen sie wie Falten nebeneinander. Ist man oben, dann hat man überall herrliche Aussichten, entweder auf den Atlantik, oder in das wunderschöne Land. Auf vielen Hängen stehen Häuser, wo es nur möglich ist, die Straßen gehen ständig steil bergauf, bergab, wobei die alten Straßen sehr eng sind, teils gefährlich, wenn man einem Bus begegnet – aber es sind auch die landschaftlich schöneren Straßen, weil man hier viel vom Land und den Orten sieht.

 

Die Schnellstraßen, die in den letzten 20 Jahren gebaut wurden, sind breiter, man kommt viel schneller voran – es geht durch wahnsinnig viele Tunnels (Madeira hat 143 Tunnels!!!) – aber man sieht bei weitem nicht so viel von der Insel.

 

Wenn man durch die Orte fährt sind da immer wieder viele schöne Pflanzen, ich habe mich z.B. über jeden Weihnachtssternstrauch gefreut (weil sie so schön rot blühen), Tulpenbaum, Hibiskus, Geranien, Engelstrompeten,

Wendelröschen… usw. – und das alles im Großformat. Sehr viele Bananenstauden, in allen Wachstumsphasen und auch Zuckerrohr. Ich glaube, es gibt nichts, was auf Madeira nicht wächst und gedeiht. Diese Insel heißt nicht umsonst Blumeninsel.

Abends essen wir in einem Restaurant in der Nähe unseres Hotels Degenfisch mit gebackenen Bananen, ein einheimisches Gericht, welches wir unbedingt probieren wollten, was uns auch sehr gut schmeckt.

 

Mittwoch, 22.02.12

 

Schönes Wetter am frühen Morgen, es ist sonnig und warm, aber da ist wieder diese Wolkenfront in Richtung Osten, sieht irgendwie fantastisch aus, so gewaltig. Man kommt sich selbst sehr klein dagegen vor.

 

Wir entschließen uns, ins Hallenbad und die Sauna des Hotels zu gehen, Dieter geht saunieren, was ich eigentlich auch wollte, als ich aber erfahre, dass man hier getrennte Saunen hat und vor allem den Badeanzug anlassen muss, entscheide ich mich dagegen. Ich habe es einmal in der Türkei erlebt und finde es äußerst unangenehm, im Badeanzug in der Sauna zu sitzen und zu schwitzen, also lasse ich es sein. Ich mache es mir im Hallenbad gemütlich und gehe in das warme Becken, man kann ins Freie schwimmen, was ich auch nutze und dort verbringe ich eine Weile im Wasser in der Sonne.

Später machen wir uns auf den Weg in die Stadt, wir nehmen den Bus bis an die große Bushaltestelle am Hafen, dort steigen wir um in den Bus Nr. 31 zum Botanischen Garten.

Die Busfahrt ist die reine Freude, denn es geht auf schmalen und sehr engen Straßen ständig steil bergauf, mitten durch das Wohngebiet. Der Busfahrer gibt bei der kleinsten Gelegenheit Vollgas, um dann gleich wieder abzubremsen, weil z.B. ein Auto entgegen kommt. Manchmal denke ich, dass die beiden nie aneinander vorbei kommen können, aber es klappt immer – allerdings sieht man an fast allen Mauern, wie oft dabei wohl ein Außenspiegel dort entlang kratzt. Auf diesen steilen Straßen müssen Autos und Busse alles geben, so kommt es mir vor, man hört es an den Motorgeräuschen.

 

Übrigens gibt es auf Madeira Straßensteigungen bis zu 28 %, wie uns die Reiseleiterin bei der Bustour gesagt hat – das muss man sich einmal vorstellen!!! Hätte ich nie für möglich gehalten! Ob da überhaupt noch ein Auto fahren kann??? Ich bezweifle das stark.

 

Oben im Botanischen Garten hat man eine herrliche Aussicht auf Funchal und den Hafen – alleine diese Aussicht lohnt schon, dass man hier hoch fährt, diesen Blick darf man auf keinen Fall versäumen!

 

Zwei Kreuzfahrtschiffe sehen wir wieder im Hafen liegen, bisher waren jeden Tag welche da, die meist abends wieder auslaufen und sich laut tönend von Madeira verabschieden. Zuschauer sind immer da, um die jeweiligen Spektakel zu verfolgen.

 

Der Botanische Garten ist sehr schön angelegt und gepflegt, für Botaniker eine wahre Fundgrube, denn hier wurden Pflanzen aus der ganzen Welt zusammen getragen, auf Madeira gedeiht einfach alles. Es blüht zu jeder Jahreszeit, auch im Winter, klar, gibt es hier doch keinen Winter in dem Sinne.

Ich genieße diesen wunderschönen Platz mit all den vielen Palmen, fremdländischen Bäumen und Sträuchern, Blüten und Früchten, auch Dieter scheint es hier zu gefallen, er filmt vieles, besonders die riesengroßen Kakteen haben es ihm angetan.

Nachdem wir hier einige Stunden verweilt und genossen haben, machen wir uns mit dem Bus auf den Rückweg, wieder eine tolle Fahrt, manchmal fast halsbrecherisch, aber man fühlt sich immer sicher, die Busfahrer kennen diese Strecken bestimmt im Schlaf. Ich fahre gerne mit einem Bus, weil man einen so schönen Überblick über alles hat, man sieht viel mehr, als von einem Auto aus.

Es kommen am frühen Nachmittag zwar wieder mehr Wolken auf, aber insgesamt ist es – auch wettermäßig – ein sehr schöner Tag. Für mich ist dieses Klima ideal, denn ich mag die Hitze nicht, sie macht mich einfach nur schlapp und müde und faul.

 

Abends essen wir beim Italiener bei uns um die Ecke, Dieter schaut anschließend Fußball im Hotel, auf der großen Leinwand in der Bar, ich gehe ins Zimmer und lese.

 

Donnerstag, 23.02.12
 

Als ich um 6.30 Uhr aus dem Fenster schaue, sehe ich, dass der Himmel im Osten noch schwarz ist, daneben aber dunkelblau – das sieht komisch aus. Eine Stunde später weiß ich, was das ist – es ist diese Wolkenwand, die bereits an den beiden Tagen zuvor zu sehen war, nun ist diese „Wand“ besser zu sehen, weil es bereits hell ist, sie nimmt wieder die ganze Ostseite ein; der Himmel ist blau und klar, daneben diese dicke Mauer, die so weit reicht, so weit ich sehen kann.

Um 8.30 Uhr hat die Sonne es geschafft und schaut nun über diese Wolkenfront aus dem Osten herüber. Wir stehen um diese Zeit an der Bushaltestelle, weil wir heute die Tour in den Westen mitmachen  - eine Ganztagestour mit Reiseleitung (wie wir Tage zuvor die Osttour mitgemacht haben).

 

Dieses Mal kommt ein großer Bus, wir sind weitaus mehr Leute, als vor Tagen.

Die Tour beginnt genauso, wie wir sie vor Tagen selbst mit dem Auto gefahren sind, d.h. wir fahren über Camara de Lobos zum Cabo Girao, dieser 580 m hohen Steilküste. Ich mache doch wieder Fotos, weil das Licht ein ganz anderes ist, wir sind ca. drei Std. früher dran. Es stehen auch wieder die gleichen zwei alten Männer da zum Betteln, einer von ihnen versucht, zwei kleine Blumensträußchen zu verkaufen. Die Männer tun mir irgendwie leid, aber ich ignoriere sie, wie schon vorher – und wie alle anderen auch. Ich frage mich, warum man das tut, warum man beinahe achtlos an ihnen vorüber geht, sich irgendwie sogar dafür schämt, dass man sie übersieht – ich spüre ein schlechtes Gewissen. Zu Hause in Deutschland gebe ich niemandem etwas, weil ich weiß, dass keiner wirklich hungern muss, diesen Gedanken hat man in sich – aber wie ist es hier?

Ich schiebe die Gedanken beiseite… aber irgendwie gehen diese beiden Gesichter mir nicht aus dem Kopf, auch Tage später noch nicht. Es ist anders als zu Hause, hier bleibt die Frage für mich, ob diese Männer vielleicht doch Hunger leiden müssen?! Vielleicht haben sie keine Rente, oder sie ist so gering, dass sie zum Leben nicht wirklich reicht?!

 

In Ribeira Brava machen wir eine kleine Kaffeepause, wir setzen uns in ein Café am Meer, laufen nicht durch den Ort, weil wir ihn uns ja schon vor ein paar Tagen angesehen haben. Hier sehe ich zum ersten Mal in meinem Leben Datteln an einer Palme hängen, denen man schon ansieht, was sie einmal werden. Palmen habe ich schon sehr viele gesehen in meinem Leben, sehr viele verschiedene Arten, aber noch nie sah ich Datteln in diesem fortgeschrittenen Reifestadium hängen. Sie sind zum großen Teil mit Netzen geschützt, sehen schon sehr gut und annähernd reif aus – am liebsten würde ich mir welche pflücken… aaaaaber… die Palme ist natürlich viel zu hoch.

 

Dann fahren wir weiter, es geht immer über die kleinen alten Landstraßen, weil es hier am meisten zu sehen gibt – in Richtung Norden. Nach einer knappen Stunde haben wir die Hochebene Paul da Serra erreicht, in ca. 1.300 m Höhe, sie aber leider nur langsam durchfahren, ein Stopp wäre hier angesagt. Die Hochebene wirkt sehr eigenartig, viel gelber Stechginster blüht hier, es sieht teilweise aus wie eine trockene Steppengrasebene, irgendwie reizvoll. Ein ganz anderes Bild von Madeira – im Gegensatz zu dem vielen und üppigen Grün und all den Blüten. Früher wuchs hier Baumheide, durch umherstreunende Ziegen und Schafe wurde alles abgefressen. Durch Umweltschützer wurde das vor Jahren abgeschafft, es weiden keine Tiere mehr hier, ganz langsam kehrt der ursprüngliche Bewuchs zurück.

Die Hochebene ist nicht bewohnt, es führen nur einige Straßen durch, die meist schnurgerade verlaufen.

 

Dann durchfahren wir den Lorbeerwald, der direkt anschließt - zum Weltnaturerbe durch die UNESCO ernannt. Hier stehen Lorbeerbäume, die bis zu 600 Jahre alt sind – an einigen wunderschönen Exemplaren fahren wir vorbei, leider hält der Bus auch hier nicht, vielleicht ist die Landschaft hier auch zu schutzbedürftig, man weiß ja, wie rücksichtslos viele Menschen sind?!!

 

Ich sehe einige wunderschöne Bäume, die ich so gerne fotografieren würde, die sicher ein paar Jahrhunderte auf dem „Rücken“ haben – die Stämme sind sehr dunkel, teils von Flechten bewachsen, teils von irgend so einem filigranen, hellgrünen Zeug, das herunter hängt (wie man es von den Bäumen in den Südstaaten kennt) – es sieht fantastisch aus. Ich denke daran, wie alt die Bäume zum Teil sind und wie die Welt wohl damals ausgesehen hat. Da sind höchstens ein paar Menschen zu Fuß hier durch gelaufen, aber sicher gab es mehr natürlichen Tierbestand.

Apropos Tierbestand: wie die einheimische Reiseleiterin uns mitteilte, gibt es auf Madeira keinerlei giftige Tiere, sie haben lediglich Kaninchen und Mäuse, ein paar Ratten – und ansonsten nur Vögel. Sie hätten auch einmal Wildschweine gehabt, meinte sie, aber die hätten sie alle aufgegessen...

 

Auf der Hochebene laufen uns ein paar Kühe mit ihren Kälbchen über den Weg, eine Kuh steht mitten auf der Straße und will sich gar nicht durch den Bus vertreiben lassen, gezwungenermaßen geht sie schließlich ganz langsam zur Seite. Es wird uns gesagt, dass hier oben nur wenige trächtige Kühe, sowie Muttertiere mit ihren Kälbchen sind.

Dann geht es wieder bergab, hinunter zur Nordküste der Insel, es ist bewölkt, aber sehr mild.

 

Die Leute im Norden leben überwiegend von der Landwirtschaft, es gibt nur wenig Tourismus hier. Bananen sind das Hauptprodukt, ansonsten Tomaten, versch. Gemüse und Früchte, wenig Zuckerrohr und Wein. Wie auf der ganzen Insel sehen wir unendlich viele Terrassen, die meist mit Bananen bepflanzt sind… hhmmm diese wohlschmeckenden kleinen Bananen, die der EU nicht groß genug sind…

 

Wir fahren zuerst in die Kleinstadt Porto Moniz, ein Weinbauernort auf einer weit ins Meer hinausragenden Lavazunge, am nordwestlichen Zipfel von Madeira. Durch das dunkle, wärmespeichernde Vulkangestein gedeiht der Wein hier besonders gut. Außerdem gibt es in Porto Moniz Naturschwimmbäder zu sehen. Diese Naturschwimmbäder liegen im Atlantik und wurden vor ca. 6000 Jahren bei dem letzten Vulkanausbruch durch die Natur geschaffen. Natürlich hat der Mensch auch noch Hand angelegt, so sind Meeresschwimmbäder entstanden, die es erlauben, im Meerwasser und im Atlantik zu schwimmen, ohne großen Gefahren zu begegnen.

 

Wir haben den Blick von oben und es sieht ganz gut aus. Das Wasser hat zur Zeit 18 Grad, lockt also nicht wirklich, so wird nur gefilmt und fotografiert. Das Städtchen scheint recht verschlafen, macht einen gemütlichen Eindruck, irgendwie denke ich an den Dornröschenschlaf.

Im Sommer soll hier allerdings etwas mehr los sein, zu der jetzigen Jahreszeit leben sie anscheinend hauptsächlich von den Bustouristen.

Wir fahren weiter entlang der Nordküste, durch Seixal, dann nach Sao Vicente, eine sehr wilde Landschaft, steile und schroffe Felsen, die immer wieder einen Blick auf das Meer und in tiefe Täler gewähren. Wir befahren einen kleinen Teil der alten Küstenstraße, sie ist mittlerweile  Einbahnstraße, da sie sehr gefährlich ist. Es sind nur noch Teile für den Verkehr offen, andere Teile sind durch heruntergefallene Felsbrocken blockiert. Früher waren diese Straßen die einzigen Verbindungen, die in beide Richtungen befahren wurden. Ich weiß eines, dort würde ich nicht fahren wollen, wenn sie noch beidseitig befahrbar wäre, das wäre mir zu gefährlich. Die Ausblicke allerdings sind spektakulär.

 

In Sao Vicente essen wir zu Mittag in einem Restaurant, das sich dreht. Das Essen ist wieder sehr gut, wie auf der ersten Fahrt gibt es eine Gemüsesuppe, dann hat man die Wahl zwischen Fisch, Fleisch, oder Omelette, schließlich gibt es noch eine Nachspeise, als auch einen Kaffee zum Abschluss.

Wir haben uns für Fisch entschieden, es gibt eine leckere Seezunge, dazu Salat, Gemüse, Reis und Kartoffeln – also wer da nicht satt wird…

Nach einem kleinen Spaziergang geht die Fahrt auch schon weiter, wieder in Richtung Süden, über den Encumeada-Pass. Wir nehmen die Passstraße, nicht den über drei km langen Tunnel, dauert zwar länger, ist aber landschaftlich sehr schön. Oben gibt es dann einen Aussichtspunkt, von wo aus man die Nord- und auch die Südküste gleichzeitig sehen kann. Wir sehen den Atlantik in leicht verschwommener Ferne. Gleich ist es kühler, bedingt durch die Höhe, ich muss meine Jacke anziehen, um nicht zu frieren. Hier sehen wir zum ersten Mal die großen Heidebäume, die bis zu drei m hoch werden, toll – wir kennen sie auch, aber als kleine Heidepflanzen. Ich muss immer wieder staunen.

Übrigens heißt „Madeira“ Holzland, hat uns ebenfalls die Reiseleiterin mitgeteilt.

 

Dann geht es weiter in Richtung Funchal, es wird noch ein kleiner Stopp eingelegt, um Poncha, das Nationalgetränk, zu trinken. Wir probieren ihn diesmal auch, aber er ist uns viel zu stark. Manche nehmen gleich zwei, oder auch drei Ponchas zu sich – nun ja, wer mag, warum nicht?

 

Wieder über Camara da Lobos fahren wir zurück und sind um 17 Uhr in unserem Hotel.

 

Am Abend haben wir beschlossen, keinen Mietwagen mehr zu nehmen, wir wissen, dass wir gesehen haben, was wir sehen wollten - eine wunderschöne Insel mit herrlichen Landschaften. Sicher gäbe es noch etliches zu entdecken, aber wir werden die restlichen Tage überwiegend faulenzen und einfach noch das Wetter, das Meer, die herrliche Vegetation genießen.

Es gibt hier über die Insel verstreut für uns nicht so viel zu sehen, dass wir noch einige Touren machen müssten. Wir denken auch, dass wir eines Tages wieder einmal hier Urlaub machen werden, dann wollen wir auch noch etwas Neues entdecken.

 

Madeira ist ein Wanderparadies, die Wanderwege allerdings sind überwiegend sehr beschwerlich, sehr oft muss man auch schwindelfrei sein. Wir haben uns gegen das Wandern entschieden, das ist uns zu anstrengend, auch sind wir beide nicht schwindelfrei, ich dazu noch überängstlich.

In und um Funchal herum gibt es so viel zu sehen, das kann man alles zu Fuß, per Bus, oder Taxi erreichen – mehr brauchen wir die restlichen Tage nicht mehr.

 

Freitag, 24.02.12

 

Länger geschlafen, die Sonne scheint schon am blauen und klaren Himmel, als wir aufstehen, heute ist keine Wolkenfront zu sehen, wie die Tage zuvor.

Wir frühstücken auf dem Balkon. Anschließend macht sich Dieter auf den Weg durch die weitläufige Hotelanlage, um alles zu filmen, damit wir später eine schöne Erinnerung haben. Am späten Vormittag beschlagnahmen wir Liegen im Poolbereich, um zu relaxen und ein wenig Sonne zu genießen. Lange bleiben wir nicht in der Sonne, dann ziehen wir uns in den Schatten zurück, denn Bräune muss nicht auf Biegen und Brechen sein. Erstens ist es nicht gesund, kann zu Hautkrebs führen, was ja mittlerweile jeder weiß – und zweitens lässt es die Haut frühzeitig altern, DAS müssen wir uns nicht geben. Wenn man so manche Leute sieht, braun und eingecremt – die Haut aber voller Falten, wie gegerbtes Leder - ich finde, dann sieht die Bräune nicht mehr gut aus, aber das ist jedermanns Sache, mein Geschmack muss nicht der des anderen sein!

 

Es ist windig, d.h. sehr angenehmes Wetter, aber gerade da muss man höllisch aufpassen, dass man sich keinen Sonnenbrand holt, weil man die Sonne nicht wirklich spürt. Wenn der Wind einmal nachlässt, fühlt man deren Kraft. Ich neige zwar nicht zu Sonnenbrand, aber in diesen Breitengraden ist die Sonne eben viel stärker – außerdem spüre ich auf dem Kopf, dass die Kopfhaut schon einen leichten Brand abbekommen hat – also lieber in den Schatten und etwas überziehen.

 

Spätnachmittags machen wir uns ausgehfertig und fahren mit dem Bus in das Zentrum von Funchal, dort laufen wir die Hafenpromenade entlang und warten auf einen spektakulären Sonnenuntergang, den es aber nur bedingt gibt. Ich kann zwar Fotos von der untergehenden Sonne machen, aber spektakulär können sie nicht werden, da eine Wolkenfront aufzieht und die Sonne verdeckt. Nun, man kann nicht immer das Glück haben.

Wir laufen bis zu dem Fortaleza Sao Tiago, am Ende der Altstadt, eine alte Festung, die 1620 fertiggestellt wurde. Diese Festung haben wir vor ein paar Tagen schon einmal besucht und fotografiert, ein sehr schöner und großer Komplex, aber im Abendlicht sieht die Festung noch schöner aus. Sie war einst Schutz gegen Piraten, dort endete auch die Stadtmauer. Heute ist sie ein Museum für zeitgenössische Kunst von portugiesischen Künstlern.

Wie gesagt – ein tolles Fotomotiv!

 

Wir spazieren in der Altstadt, Zona Velha genannt, durch die kleinen Gassen, auf der Suche nach einem Restaurant, wo wir zu Abend essen wollen und Gitarrenklängen, oder Fado-Gesängen lauschen. Fadogesänge sind melancholische, schwermütige Gesänge, die durch die kleinen Straßen ziehen und mit zu einer ganz besonderen Atmosphäre beitragen – gerade hier in der Altstadt. An vielen Ecken ist sie zu hören, wir genießen diese Stimmung. Das Essen ist leider nicht so gut, wie wir uns das vorgestellt haben. Dieter bestellt sich einen Degenfisch, der ja ohne Gräten sein soll, sein Fisch wusste das wohl nicht, denn er ist übervoll, trägt noch sein komplettes Grätengerüst. Ich bestelle mir ein nationales Fleischgericht, welches, nachdem es sehr geschmackvoll eingelegt wurde, an einem Spieß gegrillt wird, aber vom geschmackvollem Einlegen merke ich nichts, das Fleisch schmeckt sehr fade, ich muss es nachsalzen, damit es wenigstens etwas Geschmack hat. Dabei sieht das Restaurant ganz besonders gut aus, so kann man sich täuschen – das gibt unserer guten Laune aber keinen Abbruch, trübt unsere Stimmung nicht, gleiches kann einem immer wieder und überall passieren. Wir sind satt – was wollen wir mehr, außer, dass wir es billiger hätten bekommen können!

 

Wir müssen feststellen, dass am Abend weder um die Kathedrale, noch in den Hauptgeschäftstraßen etwas los ist, Leben ist nur am Hafen und in der Altstadt – oder in den Hotelvierteln.

Irgendwann sind wir dann wieder in unserem Hotel, nachdem wir mit dem Bus zurück gefahren sind.

 

Samstag, 25.02.12

 

Heue schlafen wir lange, als wir wach werden, ist schönstes Sonnenwetter, also frühstücken wir wieder auf dem Balkon. Es wird uns aber zu heiß, weil kein Lüftchen weht, also rein ins Appartement, dort weiter frühstücken.

Wir wollen evtl. nach Camara de Lobos laufen, die Promenade führt bis dorthin, aber es ist zu heiß, also gehen wir an den Pool. Dort ist es ruhig und sehr angenehm, obwohl immer mehr Leute sich niederlassen. Es ist keine Ferienzeit, also sind auch kaum Familien mit Kindern da, was den Geräuschpegel natürlich sehr niedrig hält.

Es sind sehr viele Engländer hier, im Hotel und auch auf der Insel, sie stellen das größte Touristenkontingent, wie uns die Reiseleiterin sagte – dann wir Deutsche. Mit Englisch kommt man hier auf der Insel überall durch, aber in den Touristenzentren, in Hotels und Restaurants wird auch relativ viel Deutsch verstanden und gesprochen.

 

Übrigens lernen die Kinder auf Madeira schon mit zwei Jahren Englisch im Kindergarten.

 

Da fällt mir gerade ein, was die einheimische Reiseleiterin über die Verdienste in Madeira gesprochen hat. Der Mindestverdienst beträgt hier 485 €, d.h. das ist der Verdienst der Zimmermädchen, der Kassiererinnen in den Supermärkten, der Verkäuferinnen… Die Kellner verdienen knapp darüber, das Hotelpersonal an der Rezeption (die immerhin mehrere Sprachen sprechen und ein Studium absolviert haben) bekommen 600 – 700 €. Krankenschwestern, ebenfalls mit Studium, bekommen 900 €, ein Arzt im Krankenhaus, im ganz normalen Tagesdienst bekommt gerade mal 2.200 € - das sind alles Bruttoverdienste bei Vollzeitbeschäftigung, also 8 Std. täglich!!!

Dabei sind die Mieten mit den unseren vergleichbar und ein Kindergartenplatz kostet im Monat 250 – 300 €, Strom ist so teuer wie bei uns auch - da fragt man sich doch, wie sie das bewältigen können?!

Die Wasserkosten sind allerdings sehr gering, eine komplette Familie zahlt im Monat ca. 10 €. Stromkosten fallen kaum an, sie  kochen mit Propangas, Heizung gibt es auf Madeira nicht, dafür fallen evtl. Kosten für Klimaanlage an, soll aber längst nicht jeder haben.

Oft leben drei Generationen unter einem Dach, teilen sich somit die Kosten, sonst wäre das alles bei vielen nicht zu finanzieren. Kaum einer kann sich eine Urlaubsfahrt leisten.

Die schönen Häuser, die man überall sieht, wurden meist von zurückgekehrten Auswanderern gebaut, die sich im Ausland das entsprechende Geld verdient haben und aus Sicherheitsgründen wieder in die alte Heimat zurückgekehrt sind. Ja, aus Sicherheitsgründen, denn viele sind nach Südamerika, nach Südafrika ausgewandert und in diesen Ländern ist die Kriminalitätsrate sehr hoch. Auf Madeira selbst gibt es kaum Kriminalität.

Solche Insiderangaben bekommt man wiederum auf einer Rundreise von der einheimischen Reiseleiterin erzählt.

 

Wir verbringen  beinahe den ganzen Tag am Pool, es kommen nachmittags zwar Wolken auf, aber das ist angenehm, denn in der Sonne ist es doch recht heiß und wir müssen Schatten suchen. Als eine leichte Brise aufkommt, hänge ich ein Badetuch um, es ist gleich frisch geworden. Die Stunden am Pool sind sehr erholsam und entspannend, tun uns richtig gut. Heute haben wir uns gar nicht vom Hotel entfernt, nur am Abend zum Essen bei dem Chinesen um die Ecke (um die andere Ecke).

Sonntag, 26.02.12

 

Herrliches Wetter schon am frühen Morgen, blauer Himmel ohne Wolken und die Sonne gibt alles. Heute frühstücken wir im Restaurant unseres Hotels, was auch einmal Spaß macht, es fällt uns wieder auf, dass das Personal sehr freundlich ist.

Als wir so gemütlich beim Frühstücken sind, fällt mir ein älterer Engländer auf, der in Wanderkleidung und mit Rucksack durch den Raum läuft und auf der Suche zu sein scheint. Da höre ich auch schon, wie er eine Bedienung anspricht und nach einer Frau frägt, die hier im Hotel wohnen soll. Anscheinend haben sie sich auf Madeira kennen gelernt und sie hat ihm gesagt dass sie hier wohnt. Sie hätten sich hier verabredet, aber sie sei nicht da, meinte er – soweit ich das hören konnte. Eine Zimmernummer wusste er nicht, wohl auch nicht ihren Namen, also kann er von der Bedienung nichts weiter erfahren. Noch eine ganze Weile hält er sich hier auf, dann verliere ich ihn aus den Augen.

Mehrmals am Tag muss ich an ihn denken, ich frage mich immer wieder, ob sie sich gefunden haben, ich hoffe es für ihn, denn dieser Mann hat irgendwie mein Herz berührt, er sah so suchend und gleichzeitig hilflos aus. Ich denke auch daran, dass sie ihm vielleicht ein ganz falsches Hotel genannt hat, nur um ihn loszuwerden?

In solchen, oder ähnlichen Situationen versuche ich immer, mich in die Menschen hinein zu denken, bzw. mich in eine/ihre Geschichte hinein zu fühlen – muss ja nicht richtig sein, ist aber äußerst fantasieanregend.

 

Nach dem Frühstück nehmen wir ein Taxi in die Stadt. Wir wollen mit dem Bus hoch nach Monte fahren, dieser Bus geht kurz vor 11 in der Stadtmitte ab und da die Zeit zu knapp wird, nehmen wir ein Taxi bis dorthin. Es gibt im Zentrum mehrere Busstationen, je nachdem, wohin man fahren will, wir sind an der falschen Station, also gehen wir auf die Suche – und die Zeit drängt. Wir fragen einen Busfahrer, der uns recht mürrisch Auskunft gibt, wir laufen in die Richtung, die er uns angezeigt hat, scheint aber auch nicht zu stimmen. Langer Rede kurzer Sinn, wir verpassen den Bus schließlich um eine Minute. Der nächste geht erst zwei Stunden später, also nehmen wir wieder ein Taxi und lassen uns hoch nach Monte fahren, kostet 15 €. Der Taxifahrer bietet uns an, für 50 € nach Monte zu fahren, dort zu warten, bis wir den Jardim Tropical (eine sehr schöne Gartenanlage) besichtigt haben und uns dann weiter in das Nonnental zu fahren, eines der Highlights von Madeira. Dort hätten wir Zeit, soviel wir wollten - wäre sein Superpreis. Damit geben wir ihm schon Recht, aber wir lehnen ab, weil wir uns viel Zeit in Monte und im Jardim Tropical lassen wollen. Das Nonnental haben wir auf einer unserer Touren von oben gesehen, es sieht fantastisch aus, liegt ganz versteckt in einem tiefen Tal, aber es reizt uns im Moment nicht, dorthin zu fahren, gerne während eines nächsten Urlaubes.

Insgesamt haben wir jedoch eine sehr schöne Unterhaltung mit dem Taxifahrer, er hat uns noch erzählt, wie lange er in England war, dass er dort auch mit Deutschen zusammen gearbeitet hätte, dass er auch italienisch spricht… usw. – er war sehr redselig und ich denke mir, dass ein ganzer Tag mit ihm im Taxi diesbezüglich sehr anstrengend geworden wäre.

 

Oben angekommen besichtigen wir zuerst die schöne Wallfahrtskirche von Monte, die man von weitem sieht, 68 Stufen führen uns hinauf. Dort liegt der letzte Österreichische Kaiser, Karl I. aus dem Hause Habsburg, begraben, der hier im Exil lebte und 1922 mit, soweit ich mich recht erinnere, 36 Jahren an Lungenentzündung verstarb. Da Monte recht hoch liegt (ca. 550 m) ist es hier im Winter oft neblig und feucht, dadurch hatte er sich einen Katarrh zugezogen, konnte sich keinen Arzt leisten, so bekam er eine Lungenentzündung, an der er dann verstarb.

Kann einem im Nachhinein irgendwie leid tun, obwohl ich von adeligem Volke gar nichts halte, für mich sind alle Menschen gleich. Nur die Menschen, die wirklich menschlich sind interessieren mich, einen Menschen können nur seine Taten auszeichnen, positiv, oder auch negativ. Alles Materielle hat mit dem Menschen an sich gar nichts zu tun und ist deswegen nicht von Belang!

 

Ein herrliches Lichtspiel in der Wallfahrtskirche von Monte nimmt mich gefangen. Die Sonne fällt durch ein buntes Glasfenster auf ein schmiedeeisernes Gitter und auf die Steine – das sieht herrlich aus. Ich mache mehrere Fotos und hoffe, dass wenigstens eines davon schön wird und dieses Lichtspiel richtig wieder gibt.

Es sind immer wieder die vielen kleinen Dinge des Lebens, die mich faszinieren, Geschenke, die nichts kosten, wie dieses Lichtspiel.

 

Wir sehen anschließend noch ein bisschen diesen Korbschlittenfahrern zu,  laufen dann zurück zum Eingang des Jardim Tropical. Zusammen zahlen wir 20 € Eintritt, im Jardim Botanico haben wir nur sechs € zu zweit bezahlt. Dann machen wir uns auf den Weg, es geht stets bergab und wir sind uns bewusst, dass wir das alles wieder hoch laufen müssen, denn diesen Eingang müssen wir auch wieder als Ausgang benutzen, ein weiterer Seiteneingang ist heute geschlossen.

Der Park ist herrlich, zuerst kommen wir zu drei schönen und sicher schon alten Olivenbäumen. Ich mag sie einfach, diese Olivenbäume, weil sie oft so knorrig aussehen, sie haben Charakter.

Bald kommen wir uns vor, als seien wir in einem tropischen Wald,  viele wunderschöne Bäume, vor allem sehr viele Baumfarne, die ich nie vorher so groß gesehen habe, wie hier auf Madeira. Immer wieder fällt die Sonne in die Baum-kronen und erzeugt herrliche Lichtspiele, herrliche Farben auf den Blättern.

Wir durchwandern zwei orientalische Gärten, die überwiegend im japanischen Stil gehalten sind, wunderschön und genussvoll, alles zusammen erzeugt eine wunderbar angenehme Stimmung in mir, ich fühle mich wohl.

Immer wieder Wasserläufe, Wasserfälle, Statuen, Figuren, uralte Kachelbilder an Mauern, im Zusammenspiel mit der Natur – rundum ein wunderschöner Garten.

Wir verbringen mehrere Stunden dort, das Wetter spielt mit, nur manchmal muss man sich eine Jacke überziehen, weil man sich sehr viel im Schatten bewegt, aber sobald man in die Sonne kommt, ist die Jacke zu warm.

 

Irgendwann am Spätnahmittag nehmen wir einen Bus zurück in die Stadt – wieder eine herrliche Fahrt durch diese steilen, sehr engen Gassen.

Wir bummeln noch etwas am Hafen entlang und sehen, wie die AIDA sol wieder einläuft, sie war in den ersten Tagen unseres Urlaubes schon hier. Viele Menschen schauen zu, wie das Schiff anlegt, was insgesamt rund eine Stunde dauert.

Dann fahren wir mit dem Bus zum Hotel zurück, gehen zum Italiener etwas essen und sind dann so müde, dass wir ins Bett fallen und noch etwas fernsehen.

 

Montag, 27. Februar 12

 

Wieder ist der Himmel blau und die Sonne lacht uns zum Frühstück auf den Balkontisch. Vier, oder fünf Möwen drehen mehrmals die Runden um die Hotelbalkone, wahrscheinlich sind sie auf Futtersuche. Mir ist aufgefallen, dass es auf Madeira sehr wenig Möwen gibt, nur selten hört man einen Möwenschrei. Schade, ich mag die Möwen, denn wo sie sind, ist auch Wasser, ihr Geschrei schenkt mir immer Urlaubsfeeling.

Wir entschließen uns, wieder an den Pool zu gehen, uns in den Schatten zu legen und zu lesen, also einen Faulenzertag einzulegen. Wir haben nur noch drei Tage, bevor wir wieder nach Hause fliegen müssen, die wollen wir noch verbummeln, nach größeren Touren steht uns nicht mehr der Sinn. Früher konnte ich das nicht, da musste ich immer  irgendwie unterwegs sein, ALLES sehen – heute bin ich älter und möchte meine Zeit auch einmal nur genießen. Man wird ruhiger, aber man darf auch nicht zu ruhig werden. Es muss immer noch interessant bleiben, das Leben, es muss immer noch locken und man sollte sich immer an all diesen Kleinigkeiten erfreuen, die das Leben uns kostenlos schenkt.

 

Bald wird es zu frisch, denn es sind Wolken aufgezogen um die Mittagszeit, also gehen wir ins Appartement, setzen uns auf den Balkon und lesen, bzw. schreiben.

Es dauert nicht lange und die Sonne kommt wieder durch, sofort ist es wieder warm, wir genießen die Wärme und die Ruhe. Man hört leise Musik von einem Balkon, sehr angenehme Musik, da ist noch Geschirrgeklapper, es scheinen Urlauber in ihren Appartements Mahlzeiten zu kochen. Irgendwo hustet jemand, man hört einen Stuhl rücken – alles Geräusche, die man wahrnimmt, wenn Balkon an Balkon ist, wie es in einem typischen Urlaubshotel nun mal so ist, das weckt angenehme Erinnerungen in mir an vergangene Urlaube in südlichen Gefilden.

Man hört auch immer mal wieder einen Bus im Hintergrund, die Busse müssen bei diesen Steigungen hier auf Madeira alles geben. Es fahren viele Busse hier, Stadtbusse, Überlandbusse, Touristenbusse, Sightseeingbusse – alles ist ständig in Bewegung, die vielen Menschen wollen transportiert werden. Das Bussystem klappt recht gut, man darf aber nicht vergessen zu winken, um ihn anzuhalten, sonst kann es sein, dass der Bus vorbei fährt, wenn nicht jemand an dieser Haltestelle aussteigen will – das ist uns auch passiert, dann schaut man nur noch hinterher.

Vom Meer hört man gar nichts, es ist sehr ruhig, wir haben es bisher nur ruhig erlebt, wenn man ganz genau hinhört, dann hört man ein leises Anschlagen der Wellen an die Felsen, bzw. an das Ufer.

 

Von unserem Balkon aus, der im vierten Stock liegt, schaut man genau in die Kronen von mehreren Palmen, dort tummeln sich oft Vögel, ich schaue ihnen gerne zu. Leise gleiten wieder zwei, oder drei Möwen an den Balkons vorbei. Ich lege kleine Zwiebackstücke auf die Balustrade um zu sehen, ob sie sich diese holen – und tatsächlich, als ich im Zimmer bin kommt ruckzuck eine Möwe und schnappt sich den Happen. Das Spiel wiederholen wir noch einige Male, wir haben beide unsere Freude daran – die Möwe und ich.

Den Zwieback hatte ich gleich zu Anfang gekauft, als ich sah, dass wir ab und zu Mitesser zum Frühstück haben, Tauben kamen manchmal, saßen dann auf dem Balkon knapp einen Meter von uns entfernt und warteten, ob sie auch etwas bekommen. Ich kann dann nicht nein sagen, warum auch? Sie wollen leben, wie wir!

Ich lausche noch den vielen leisen Hintergrundgeräuschen, keines stört, sie machen irgendwie diesen Platz hier aus, sie erzeugen eine angenehme Atmosphäre, die ich intensiv in meinem Gedächtnis abspeichere, auf meiner hauseigenen Festplatte...

 

Schließlich ist der Tag vorbei, wir waren den ganzen Tag nur in der wunderschönen Hotelanlage, ein sehr erholsamer Tag.

 

Dienstag, 28.02.12

 

Wie am Tag zuvor, Sonne und Frühstück auf dem Balkon, dann faulenzen am Pool.

Nachmittags fahren wir mit dem Bus bis zu der Stelle, an der wir letzte Woche den Spaziergang an der Promenade unterbrochen haben, Richtung Camara de Lobos, also Richtung Westen. Heute wollen wir den Rest bis in den Ort laufen.

Schon den ganzen Nachmittag hängen bedrohlich dunkle Wolken im Gebirge im Norden, es sieht so aus, als würde es bald Regen geben, aber nichts geschieht, die Wolken hängen wohl fest.

Die Sonne scheint bis zu ihrem Untergang am Abend, wobei sie im Angesicht dieser dunklen Wolken ein ganz besonders intensives Licht schenkt.

Es ist den ganzen Tag sehr heiß, wir haben uns für den Spaziergang falsch angezogen, da wir, aufgrund dieser Wolken, mit kühlerem Wetter gerechnet haben – also kommen wir ins Schwitzen, was ich gar nicht mag und was mich missmutig stimmt, dummerweise natürlich!

 

Die Promenade läuft sich sehr gut, aber sie zieht sich viel länger, als wir vermutet haben. Die Reiseleiterin meinte, dass man die Strecke von unserem Hotel bis nach Camara de Lobos in einer knappen Stunde gehen würde – ich weiß nicht, wie sie das gemacht haben will, das kann unmöglich hinkommen. Egal, wir sind unterwegs und die Strecke ist sehr schön. Hier hören wir die Wellen des Atlantiks kräftig gegen die Felsen schlagen und sehen die weiße Gischt.

 

Promenade zwischen unserem Hotel (in Funchal West) und dem Fischerort Camara de Lobos 

 

Am Steinstrand (sehr große Kiesel) klingt es so, als hätten wir starken Seegang, das Meer donnert gegen die Kiesel. Es ist aber kein starker Seegang und ich frage mich, wie das wohl klingen mag, wenn wirklich hohe Wellen kommen. Immer wieder sehen wir kleinere Felsen im Meer, die vom Wasser umspült und auch überspült werden, man kann zusehen und entspannen, ich auf jeden Fall.

 

An der Promenade

Hinter uns ist meist nicht viel Platz, hohe Felswände steigen steil auf, oben stehen Häuser direkt an den Felskanten. Dieter meint, alle Madeirenser müssten schwindelfrei sein, womit er nicht ganz Unrecht hat.

Ein größeres Hotel ist in die Felswand integriert, wäre es nicht weiß gestrichen, könnte man es übersehen, finde ich besser, als diese Betonklötze hoch in die Landschaft ragen zu lassen.

Ich bin müde vom Laufen und mir ist heiß, gerne würde ich eine Pause machen in einem der kleinen Cafés, die immer wieder am Wege liegen, aber Dieter will weiter, weil es schon Spätnachmittag ist, das gefällt mir gar nicht.

 

Nun habe ich genug. Ich sehe, dass der Ort immer noch weit entfernt liegt und dass es über eine schmale und lange Brücke geht, dann wieder steil bergan. Ich drehe mich einfach um und gehe zurück. Dieter ist weit vor mir, ich rufe nicht über ihn, ist wohl unfair von mir, aber warum muss er auch so weit voran gehen? Ich denke mir, dass er es schon bemerken wird – und ich weiß auch, dass er sich denken kann, dass ich umgedreht bin und wir uns im Hotel wieder treffen.

Ich habe kein Handy dabei, nichts zu trinken und kein Geld – all das hat Dieter im Rucksack, das ist mir auch bewusst, in dem Moment aber sch…egal!

Ich weiß, dass ich alleine durch diesen Tunnel gehen muss, durch den wir auch gekommen sind und der etwas düster ist, in dem das Meer unheimlich rauscht – aber auch das ist mir egal, ich bin stark! Also auf – den laaaaaaangen Weg zurück und diesmal inkl. der Strecke, die wir heute mit dem Bus gekommen sind, denn ich habe kein Geld für einen Bus. Ich denke an meine armen Füße, aber da müssen sie durch!

 

Am Anfang geht es ja noch, ich genieße den Ausblick auf das Meer, die Sonne scheint mir zum Ausgleich auf die andere Gesichtshälfte, aber der Weg wird immer länger, die Beine immer müder. Dann kommt da auch noch der Abschnitt, an der die Promenade unterbrochen ist, an den habe ich gar nicht mehr gedacht. Man kommt an einem uralten Riesencontainer vorbei, über einen großen und leeren Parkplatz, muss über ein kleines Stück Landstraße gehen und dann durch eine etwas ungemütlich wirkende Straße mit ein, oder zwei Kneipen (ich bin geneigt Spelunken zu sagen). Im Hinterkopf habe ich die Bemerkung der Reiseleiterin, dass man dort etwas aufpassen sollte, dort würden oft ein paar Typen herumlungern… Diese Bemerkung hatte ich schon im Kopf, als wir vorhin auf dem Hinweg hier durch kamen, aber da war Dieter dabei. Ich muss sagen, dass ich voller Angst bin, als ich diese Strecke nun gehe, denn es sind sonst keine Touristen da, ich komme mir verlassen vor, bin aber selbst schuld daran, mein Herz pocht wie wild. Ich spreche mir Mut zu und gehe schnellen Schrittes, aber ständig lauernd und angespannt. Es ist nicht immer gut, wenn man vor eventuellen Situationen gewarnt ist, denke ich mir – hier täte ich mir viel leichter, hätte ich nicht diese Warnung im Hinterkopf, die sicher übertrieben ist. Nach ca. zehn langen Minuten habe ich diese Passage endlich hinter mir und ich atme durch, aber da kommt noch der Tunnel. Ich schaue mich um und mache wenige Touristen aus, die noch auf der Promenade in meine Richtung unterwegs sind. Vor mir sehe ich ein älteres Ehepaar und ich denke mir, das können nur Engländer, oder Deutsche sein und laufe schneller, um sie vor dem dunklen Tunnel einzuholen. Es ist der Abschnitt, der über dicke Kieselsteine führt und ich muss aufpassen, dass ich nicht mit dem Fuß umknicke, das würde mir noch fehlen – in einer solchen Situation ist man einfach viel zu ängstlich, irgendwie war das für mich Adrenalin pur. (Als ich einen Tag später darüber nachdenke muss ich natürlich lachen, aber zu dem Zeitpunkt war es einfach so).

Ich hole das Ehepaar genau am Eingang zum Tunnel ein und bin zufrieden, geschafft… und sie sprechen noch deutsch, was mir angenehm auffällt. Die Frau bemerkt mich und schaut sich kurz um, ich lache sie an. Wie toll, sie hat auch noch eine Taschenlampe dabei!!!

 

Die Wellen klatschen irgendwo am Tunnel gegen die Felsen, was sich wie Donner anhört, es schallt wohl auch in diesem Gestein, aber es klingt fantastisch, das wiederum gefällt mir. In der Mitte des Tunnels sind zwei Durchbrüche, die wie Fenster wirken, dort fällt erstens Licht herein und zweitens kann man auf die tosenden Wellen unter dem Tunnel schauen – dort bleibt das Ehepaar stehen. Ich entschließe mich, auch stehen zu bleiben, da ich gerne weiter mit ihnen gehen möchte – und ich spreche sie einfach an. Wir reden über das Tosen und das Donnern, was man hier hört und ich gestehe ihnen, dass ich mich ihnen angeschlossen habe, weil mir alleine zu mulmig war. Sie lächeln und ich erzähle ihnen, dass mein Mann und ich uns in Camara de Lobos verloren hätten, dass ich nun den ganzen Weg zurück laufen muss, weil ich kein Geld dabei habe. Sie bieten mir Geld an – ist das nicht wahnsinnig lieb? J Ich nehme kein Geld und sage ihnen, dass ich noch ca. eine halbe Stunde gehen müsse, dann wäre ich in meinem Hotel, wo Dieter sicher schon warten würde.

Ich finde es wunderschön, dass sie mir helfen wollen, es ist immer erfüllend, Menschlichkeit zu erfahren.

 

Nun, den Rest des Weges schaffe ich dann leichter, die Promenade ist wirklich sehr schön, immer am Meer entlang, immer wieder kleine Restaurants, schöne Ausblicke, herrliche Vegetation – was will man mehr.

Als ich schließlich im Hotel ankomme, bin ich vollkommen kaputt, ich könnte keinen einzigen Schritt mehr gehen – und Dieter ist schon da und wartet, er kam mit dem Bus…

Er erzählt mir, dass er in dem Ort war und auch gefilmt hat, also bekomme ich Camara de Lobos doch noch zu sehen.

Ich beschließe, am nächsten Tag keinen Schritt zu gehen!!!

 

Mittwoch, 29.02.12

 

Heute ist unser letzter Tag auf Madeira, eigentlich habe ich keine Lust, nach Hause zu fliegen. Die Sonne scheint schon beim Aufstehen, alles wie gehabt – Frühstück, dann an den Pool zum Lesen und Relaxen und Genießen. Es ist windig, also kühl im Schatten, man muss sich etwas umhängen – in der Sonne ist es heiß.

Ich hänge so meinen Gedanken nach und beobachte die Miturlauber, fast alles Rentner, wir gehören noch zu den Jüngeren, obwohl wir beide 61 sind. Wenig jüngere Leute sind da, so fühlt man sich doch in der Rentnergruppe noch recht jung...

 

Es ist herrlich, unter Palmen zu liegen und zuzusehen, wie ihre Blätter sich im Winde bewegen, dem Rauschen zu lauschen. Das Meer ist wieder ruhig und glitzert still vor sich hin, ich genieße den herrlichen Blick vom Hotelgelände zum Meer, dazwischen südländische Vegetation – einfach traumhaft. Das Leben erscheint mir heute so leicht, das tut verdammt gut. Ich denke an meinen Yogakurs, der zu Hause gerade stattfindet  und freue mich auf den kommenden Mittwoch wenn ich wieder dabei sein werde.

Die Bougainvillea 

 

Der Blick über das Meer – bis hin zum Horizont, diese unendliche Weite befreit meinen Geist, macht mir die Seele weit, ich fühle mich offen für das Leben. Meine Seele bekommt Flügel, ich fühle mich leicht, schwere Gedanken scheint der Wind verweht zu haben. Warum kann man sich nicht immer so fühlen???

 

Gegen 15 Uhr haben wir genug Sonne und gehen ins Appartement zurück, setzen uns auf den Balkon in den Schatten, überlegen, ob wir noch einmal nach Funchal fahren sollen, oder in Richtung Westen, um dort irgendwo an der Promenade zu Abend zu essen und evtl. einen Sonnenuntergang zu fotografieren. Da wird es ganz trübe, der Horizont ist völlig verschwunden, man sieht nur noch grau in grau, es ist, als ob man gegen eine Nebelwand schaut. Es fängt leicht an zu regnen, aber in einer Stunde ist der Spuk vorbei und die Sonne scheint wieder, der Wind ist allerdings etwas stärker geworden.

Wir sind zu faul, noch etwas zu unternehmen, so verbummeln wir einfach die Zeit, gehen dann zum Italiener um die Ecke, um zu Abend zu essen und genussvoll den letzten Rotwein zu trinken.

 

Anschließend geht Dieter in die Hotelbar, dort wird auf der großen Leinwand wieder ein für ihn interessantes Fußballspiel übertragen. Ich laufe noch etwas im Dunkeln durch den großen Hotelpark, die Beleuchtung genießen, ich finde das richtig romantisch.

Zurück im Appartement packen wir die Koffer, morgen früh müssen wir zeitig aufstehen, wir werden um 6.40 Uhr am Hotel abgeholt.

 

Donnerstag, 01.03.12

 

Ich stehe um 5 Uhr auf, zu früh, wie Dieter meint, aber ich mag keine Hektik, mache lieber alles in Ruhe, früheres Aufstehen macht mir gar nichts aus. Dieter döst noch ein wenig vor sich hin, bevor er dann auch im Bad verschwindet.

Wir machen uns noch einen Tee und essen jeder ein Brötchen, dann kann es losgehen. Der Shuttle ist schon da, also überpünktlich, die Mitreisenden sehen zum Teil noch etwas müde aus. Es bleibt gerade noch ein letzter Blick zurück zum Hotel, ein kleiner Klos macht sich in meinem Hals breit – ein wenig Abschiedsschmerz… Wir haben hier im Hotel Eden Mar zwei herrliche Wochen verbracht, aber irgendwann geht nun mal alles vorbei.

 

Ich denke daran, dass zu Hause die Bäume noch keine Blätter haben, dass wohl alles grau in grau sein wird, denn der Frühling lässt schon noch einige Tage auf sich warten. Hier auf Madeira haben mich dieses üppige Grün und die vielen bunten Blumen aufleben lassen – die ganze Insel ist eine Augenweide. Kann sehr gut sein, dass wir einmal wieder hierher kommen werden.

 

Ich tröste mich damit, dass in Deutschland die Natur ja auch bald wieder erwacht, das Schlimmste ist vorbei, Anfang März kann nicht mehr allzu viel Winterliches kommen.

 

Um ca. sieben Uhr sind wir auf dem Flughafen und können einchecken, dann haben wir noch knappe zwei Std. Zeit. Ich weiß, dass bald die Sonne aufgeht und dass man vom Flughafen aus sehen muss, wie sie im Osten aus dem Meer hoch kommt. Also gehe ich gleich hinaus, der Funchaler Flughafen ist ja recht übersichtlich – die Sonne ist noch nicht da, aber eine leichte erste Rötung sieht man am Horizont. Gegen halb 8 Uhr sieht man wunderschön, wie sich ein Punkt am Horizont über dem Meer hell färbt, da muss die Sonne jeden Moment erscheinen – und so ist es dann auch. Plötzlich schiebt sie sich hinter dem Meer hoch, erst ganz klein, dann immer größer, es ist wieder erstaunlich, wie schnell das vor sich geht. Natürlich läuft jetzt mein Fotoapparat heiß J Neben mir steht ein Mann, der auch auf den Sonnenaufgang gewartet hat, sein Apparat klickt ebenfalls am laufenden Band. Auch Dieter kommt aus dem Flughafengebäude heraus und filmt – die Natur kann uns immer wieder faszinieren. Ich habe schon so viele Sonnenauf- und Sonnenuntergänge fotografiert, es ist immer wieder wunderschön und kein Bild gleicht dem anderen.

Es ist herrlich, dieses Schauspiel heute Morgen noch erleben zu dürfen, Sonnenaufgang über dem Atlantik, ein Traum – und wie schön sie aufgeht, man sieht den Feuerball, bis er ganz aus dem Meer aufgetaucht ist, erst dann gesellen sich ein paar Wolken dazu, was wiederum ein ganz besonderes Schauspiel ergibt. Schöner könnte sie uns nicht begrüßen, danke, liebe Sonne!!!

 

Sonnenaufgang über dem Atlantik - am Flughafen von Funchal

 

Gut gelaunt, ob dieses „freudigen Ereignisses“ begeben wir uns ins Gebäude und bemerken, dass es nun aber allerhöchste Zeit wird, wir müssen uns äußerst schnell nach oben begeben in die Abflughalle. Ich muss lachen, merke ich wieder einmal, wie schnell die Zeit verfliegt, wenn ich beim Fotografieren bin, ich vergesse mich darin ganz.

 

Bald darauf besteigen wir das Flugzeug, eine Maschine der Condor – und ab geht die Post, heim nach Deutschland. Der Flug ist gut, wir haben sogar Glück, dass neben uns keiner mehr sitzt, d.h. wir haben einen Platz mehr für uns, den wir dann wenigstens beim Essen nutzen. Mir kommt es so vor, als würden die Sitzplätze in den Flugzeugen immer enger. Auch die Gänge sind enger geworden, wenn die Stewardessen mit ihren Getränkewagen durch den Gang gehen, kommt keiner mehr vorbei, früher konnte man da immer noch durchschlüpfen. Es wird eben überall gespart, jeder will ja auch immer billiger fliegen, das muss irgendwo eingespart werden.

So – und nun wird uns diese Stunde, die uns beim Hinflug geschenkt wurde, wieder geklaut, tja da kann man nichts machen…

Eine halbe Stunde vor der angekündigten Ankunftszeit landen wir in Frankfurt und sehen, dass uns hier Nebel erwartet, nehmen wir es gelassen.

 

 

Fazit der Reise: Es war ein sehr schöner und erholsamer Urlaub, Madeira ist eine herrliche Insel, die zu Recht „die Blumeninsel“, oder „die Insel des ewigen Frühlings“ heißt. Die Vegetation ist ein Traum für alle Blumenfreunde und Botaniker, ein wahres Eldorado.

Knie-, oder Fußkrank darf man nicht sein, denn es geht ständig bergauf und bergab, oft sehr steil.

 

Gerne hätte ich mir die Hochebene etwas näher angesehen, auch den Lorbeerwald, die Stimmungen dort intensiv aufgenommen, aber die begleiteten Touren haben das leider nicht zugelassen. Es sieht so aus, als „müssten“ wir Madeira noch einmal besuchen, dann können wir auch in das schöne Nonnental fahren, also Gründe genug.

 

Dann sag ich mal

tschüss Madeira, bis zum nächsten Mal“!!!

"Stolz von Madeira" ist der Name dieser Blume, die im Frühjahr überall auf der Insel blüht.

 

 

 

 

© Eleonore Görges

 

    März 2012