Dummer Mensch

 

Lauer Regen fällt auf die Welt,

wer hat diesen Segen bestellt?

Pflanz und Tier schon lange darben,

ihre Seelen tragen Narben,

allzu hart ist das Erdenreich,

trocken, beinah schon wüstengleich,

Platz zum Leben bleibt ihnen kaum,

tiefe Wälder nur noch ein Traum.

Es ist der Mensch in seiner Gier,

der weder achtet Pflanz noch Tier,

er sägt am Ast, auf dem er sitzt,

obwohl er Teil vom Ganzen ist.

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An Mecklenburgs Küste

 

Ein heißer Junitag in Mecklenburg,

Felder und Wälder bis an die Küste,

weiße Strände mit feinem Sand

und die Wellen der Ostsee locken.

Heute wird es wieder ein heißer Tag,

die Sonne steht schon früh am Himmel

und lacht in den jungen Morgen,

das große Mohnfeld leuchtet in die Welt,

Mohnblumen tänzeln in der leichten Brise

und die Getreidehalme daneben tänzeln mit.

Feldlerchen singen schon seit Sonnenaufgang,

Schwalben, die in den Reetdächern nisten,

fliegen ihr Auf und Ab in Verfolgung der Mücken,

zwitschern ihr Geschwätz dazu ~

und Hasen hoppeln durch die Landschaft;

es liegt eine Ruhe über dem Land,

die meine Seele durchatmen lässt.

Auch das Meer scheint noch nicht aufgewacht,

denn glatt liegt es und glänzt im Sonnenschein,

kleine Boote dümpeln vor sich hin

und sehen ihr Ebenbild im Meeresspiegel.

Zwei Möwen, auf dem Rand eines Bootes sitzend,

träumen in den neuen Tag,

der sie noch nicht wirklich erfasst hat,

sicher schwimmen vor ihrem geistigen Auge

kleine, leckere Fische im Meer dahin,

aber noch ist der Hunger nicht groß genug,

um sich in die Lüfte zu erheben

und die Leckerbissen zu erhaschen.

Ein kleines Fischerboot kehrt zurück,

das wohl schon vorm Morgenrot seine Fahrt antrat;

erst sehe ich nur eine Silhouette,

dann wird es langsam immer größer,

ein einzelner Fischer steuert das Boot ~

und ich frage mich, ob sich der Fang wohl gelohnt hat?

Es kommt ein leichter Wind auf

und erste Wellen laufen an den Strand,

bedecken meine Füße mit angenehmer Frische ~

ein Tag wie für mich gemacht,

ich werde ihn genießen.

 

Juni 2021

Zierow / Mecklenburg

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Sommergewitter

 

Es ist ein schwül heißer Sommertag,

viel zu heiß, als dass ich ihn mag,

feuchte Luft die steht, kein Wind der geht,

kein leiser Hauch, der Frische weht.

 

Mensch und Tier sind unendlich träge,

als ob ein Gewitter läge

in schwüler Luft, so fühlt es sich an ~

und schon zieht Donnern heran.

 

Ein Blitz, noch in der weiten Ferne,

der mit aller Kraft so gerne

zerstören mag, was er denn so kann,

egal ob Maus, ob Baum, ob Mann.

 

Da schon färbt sich der Himmel ganz grau,

verschwunden  ist das Azurblau ~

und man ahnt der Natur Gewalten,

die wohl alsbald sich entfalten.

 

Es zuckt ein Blitz und mag zerstören,

tiefes Grollen ist zu hören,

die dunkle Regenfront ist ganz nah,

das Sommergewitter ist da.

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Mein Tag

 

Still und träg ist dieser Tag,

genau wie ich ihn heute mag,

sachter Wind weht durch die Straßen,

leergefegt sind all die Gassen.

 

Grau Gewölk verdeckt die Sonne

und doch ist dieser Tag voll Wonne,

er lässt die Zeit einfach geschehen

und das Leben leiser gehen.

 

Eine Melodie klingt in mein Ohr,

sie tritt aus einem Haus hervor

und passt genau zu diesen Stunden,

die einfach nur das Sein bekunden.

 

Es ist ein Tag zum Kräfte tanken,

so lass ich los von den Gedanken,

geb mich ganz dem Nichtstun hin,

denn nur dann weiß ich, ich bin!

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Erwachen

 

In den Wiesen ist ein Flüstern,

morgens, wenn der Tag erwacht,

wenn die Sonne, fast schon lüstern

das Dunkel verjagt und lacht.

 

Ist ihr Sonnenmantel ausgebreitet

und hat den restlich´ Tau geleckt,

hat das Licht, das sie begleitet,

den letzten Käfer aufgeweckt.

 

Jetzt beginnt ein emsig´ Treiben,

wie an jedem Morgen wieder,

keiner will am Nachtplatz bleiben ~

und Vögel trällern ihre Lieder.

 

Der kleine Bach, er murmelt weiter,

treibt es ihn doch Tag und Nacht,

muntre Fische schwimmen heiter,

die er trägt mit viel Bedacht.

 

Wenn dann die zarten Elfen gleiten

übern süßen Himbeerberg,

sich ihr erstes Mahl bereiten,

dann beginnt des Tages Werk:

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Leidenschaft

 

Blicke, die voll Sehnsucht sprechen

Hände, die sich finden

Münder aufeinander pressen

Finger sich verbinden

Leiber, die vor Hitze glühen

In Erwartung beben

Fantasien, die erblühen

Sich ganz hinzugeben

Körper zueinander drängen

In Sinnlichkeit ertrinken

Heißerglühte Zellen sprengen

Und in Lust versinken

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Verlorenes Paradies

 

Ich seh die weißen Wolken zieh‘n,

lass mich von ihnen tragen,

um dieser Ödnis zu entflieh‘n

und all den tausend Fragen.

 

Wie sieht die Welt von morgen aus,

wird die Erde überleben,

bringt unser Sein in Saus und Braus,

sie gar vielleicht zum Beben?

 

 Ist denn jeglich Seel‘ verschlossen,

alle Herzen eingesperrt,

jede Liebe ausgegossen,

Menschlichkeit nicht mehr begehrt?

 

Quält der Mensch die Tiere weiter,

missachtet  alles Leben,

steigt immer höher auf der Leiter ~

wird ihm denn je vergeben?

 

Doch da der Mensch nicht fähig ist,

ohn‘ Gier zu existieren,

so wird er einst als Egoist,

sein Paradies verlieren.

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Zeitgericht

 

Einst bin ich in die Zeit gestiegen,

aus der tiefen Dunkelheit,

Licht ward mir in all den Siegen,

es dunkelte die Einsamkeit.

 

Stets habe ich den Kampf gesucht,

dort, wo es von Nöten war,

kundgetan und auch geflucht,

ehern und unwandelbar.

 

Doch auch eingespannt, verpflichtet,

helfend bis zum Untergang,

die Seele klein... vernichtet,

bis zum lauten Abgesang.

 

Was wird sein vorm Zeitgericht,

was wird dann überwiegen,

wenn ganz offen das Gesicht ~

und nichts mehr wird verschwiegen?

 

Nimmst du mich dann an deiner Hand,

sodass die Ängste schwinden,

führst mich in das Herzensland ~

und lässt mich meinen Frieden finden?

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Sehnsucht

 

Ich stehe still am weißen Strand,

von Augen des Himmels getragen,

da löst sich dieses bleiern Band,

gebunden in tausend Tagen.

 

Ich spüre all die Stunden weichen,

die mit Sehnsucht war´n beladen,

willst du mir die Hand nun reichen,

auf diesen weiten, freien Pfaden?

 

Lass uns in dieser Stille steh´n,

unsre Herzen sich umarmen,

in die Augen der Liebe seh´n,

ich möchte ruh´n in deinen Armen.

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Im Kreis

 

Hab einen Kreis um mich gezogen,

meine stumme Seele eingeschlossen,

nach tausend einsam' Dialogen,

die Worte einfach hingegossen.

 

Nun sprießen sie ins Nirgendwo,

wem könnten sie was sagen?

Irgendwo im anderswo,

werden sie erneut versagen.

 

Im Kreise werd ich stille sein ~

und alles überwinden,

all die Worte war'n zu klein,

um mein Glück zu binden.

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Januarmorgen

 

 Mein erster Augenaufschlag

Ein leises Gähnen

An diesem Morgen im Januar

Eingekuschelt in die Wärme des Bettes

Von den Träumen verlassen

Spüre ich ... dich

Dein Arm ruht auf mir

Ich höre dein ruhiges, gleichmäßiges Atmen

Fühle diesen feinen Hauch auf meiner Schulter

Der mich Leben spüren lässt

Unser Leben

Unsere Liebe

Du und ich

Ich bin geborgen

In deiner Liebe

Zwei, drei Zentimeter rücke ich näher zu dir

Mehr Raum lag nicht zwischen uns

Und doch will ich dich ganz spüren

Dich und deine Wärme

Und deine Liebe

An diesem Januarmorgen

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Des Herbstes Zauberwald

 

Wenn das Mondlicht an den Bäumen leckt,

Sterne ihre Wunder zeigen,

die herbstlich Nacht den Wald bedeckt,

tanzen Engel Liebesreigen.

 

Ein Hauch von Frieden legt sich nieder

auf diese angehauchte Pracht,

melodisch schöne Feenlieder

beenden herbstlich kühle Nacht.

 

Das Morgenrot ist leicht erblasst

hinter einem Nebelschleier,

doch wenn´s die rechte Stund erfasst,

wird die Sonne zum Befreier.

 

Bald schon lässt sie Strahlen tanzen

über buntem Zauberwald,

Farben sich nicht mehr verschanzen,

von hellem Lichte angestrahlt.

 

Erwacht ist auch die Zauberhand,

tupft neue Farben in die Zeit,

ein schillernd buntes Märchenland

hält dieser Tag für uns bereit.

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Sommergedanken

 

Die Leichtigkeit der Sommerzeit

trägt mich durch diese Tage,

es sind mir die Gedenken weit ~

und nichts stell ich in Frage.

 

Es glüht die Sonne überm Land

und lässt die Ähren reifen,

ich stehe da am Feldesrand,

lass meine Blicke schweifen.

 

Da denk ich an die Kinderzeit,

als die Menschen auf den Feldern,

wo heute nur noch Einsamkeit ~

es ist nicht mehr wie gestern.

 

Ich seh vor meinen Augen Bilder,

die mich lächeln lassen,

leiser war das Leben und auch milder,

einmal noch möcht ich es fassen.

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Meeresstunden

 

Schnell ist dieser Tag am Meer vergangen,

weil er tief in seiner Zeit gefangen ~

schon breitet Abend seine Arme aus,

legt still sie um des Fischers kleines Haus.

 

Da bläst Poseidon seine Wangen auf

und lässt die wilden Winde los zu Hauf,

bis diese in den Wanten singen,

die Boote einen Chor anstimmen.

 

Es scheint, der Gott der Meere ist erzürnt,

denn weiße Gischt die Wellenkämm´erstürmt,

die eilends sich einander jagen,

gemeinsam diese Stund´beklagen.

 

Ganz selig verschläft der Fischer die Nacht,

von allen Engeln der Meere bewacht,

als er früh morgens verlässt den Hafen,

liegt still das Meer, als hätt es geschlafen.

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Träume

 

Und da sind dann diese Träume

von Menschlichkeit und Wohlgefallen,

dem Leben mit- und füreinander

und Liebe, die im Sturm besteht.

Da sind Vögel, die die Zeit besingen,

Tiere ohne Angst und Qual,

Tage voller Sonnenlachen ~

und Winde, die den Geist befrei´n.

Blumen, die im Tanz sich küssen,

weil ihr Dasein voller Freud,

Flüsse leise gurgelnd fließen,

sacht von der Natur getrieben.

Bäume streben hoch gen Himmel,

wie alle Seelen dieser Welt,

um in diesem Raum des Friedens

vereint zu sein in tiefer Lieb.

da sind immer noch die Träume.

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Verankert

 

Tief verankert inmitten von Fernen,

lass ich meine Gedanken fliegen,

übern Horizont, hin zu den Sternen,

die sie sacht im Lichte wiegen.

 

Mit an Bord meine Träume von Freiheit,

ich möchte meinen Anker lichten,

möchte entfliehen der rastlosen Zeit ~

und allen weltlichen Pflichten.

 

Doch weiß ich auch um Stürme, die toben,

auf allen so schutzlosen Meeren,

drum werde ich mir den Anker loben,

meine kleine Bucht begehren.

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Morgen am Meer

 

Am Ufer stehend, am frühen Morgen,

dicht bei dem noch schläfrigen Meer,

fühle so seltsam ich mich geborgen,

warm und weich und gar sorgenleer.

 

Der Horizont ist kaum zu erkennen,

noch hält das Meer ihn im Arm,

wie zwei Geschwister, die sich nicht trennen,

inniglich und herzenswarm.

 

Mein Herz wird mir leicht, umarmt diesen Tag,

der auf lautlosen Sohlen geht ~

und im Fluge hat er, wie ich es mag,

all´Kälte und Enge verweht.

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Im du und ich

 

Der Tag ist lange schon gegangen,

morgenwärts, auf leisen Sohlen ~

die Träume haben sich verfangen

im Sternenfunkeln unverhohlen.

 

Und der Garten dieser Wundernacht

blüht sternenklar und märchenhaft,

runder Mond in Glanz und silbern Pracht,

strahlt am Firmament mit stiller Kraft.

 

Oh Sternlein, lasset die Träume mich

begleiten durch die Dunkelheit,

ich würd so gerne im du und ich

verweilen bis hin zur Morgenzeit.

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Lass wachsen

 

Was ist es, was mein Herz erfüllt,

was meiner Seele Gnad´gewährt,

was meine große Sehnsucht stillt ~

und meinen tiefen Frieden nährt?

 

Was führt mich in ein stilles Sein,

schenkt Ruhe mir und Glück,

erscheint mir wie ein gülden Schrein,

vom Paradies ein Stück?

 

Es ist die Liebe hier auf Erden,

die nach Ihresgleichen sinnt,

lass sie wachsen, lass sie werden,

auf dass mein Leben neu beginnt.

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Abend am Hafen

 

Das Abendlicht liegt überm Hafen

Kleine Boote schaukeln sacht

Leise ging die Sonne schlafen

Überlässt der Nacht die Macht.

 

Ein verspätet Fischerboot

Fährt noch in den Hafen ein

Taucht den Bug ins Abendrot

Das Heck bedeckt vom Lampenschein.

 

Der Horizont verfärbt sich nun

Dunkelheit taucht in das Meer

Selbst die lauen Winde ruh´n

Straßen werden menschenleer.

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