Vater hol mich heim

 

Er hatte Angst,

sehr große Angst,

als sie ihn riefen.

Gerne hätte er sich versteckt,

wäre weit weggelaufen,

aber doch nicht als Mann ~

und wenn das Vaterland ruft

muss man folgen,

auch wenn die Angst

noch so groß ist.

Aber er ist doch mein Junge,

mein kleiner Junge,

fast noch ein Kind

hatte sein ganzes Leben

noch vor sich,

wieso konntet ihr ihn

zu den Waffen rufen?

Er schrieb mir jeden Tag,

es waren Sätze voller Angst,

voller Entsetzen,

denn seine Augen mussten

unsägliches Leid sehen.

"Vater hol mich heim" ~

so schrieb er immer wieder.

Heute kommt er heim,

ihr bringt ihn mir...

im Eichensarg.

~~~

 

 

Es war doch einmal Liebe

 

Sie hat dich so geliebt,

alles bist du für sie gewesen,

du warst ihr Morgen und ihr Abend,

du warst das Licht in ihrer Nacht,

Heimat bist du ihr gewesen

und doch auch große Freiheit.

Alle Sehnsüchte hast du ihr gestillt,

alle Herzenswünsche erfüllt,

ihre Seele zärtlich berührt.

Dann bist du zerbrochen,

hast Liebe und Glück mitgenommen,

alles in ihr zerstört mit den Jahren,

bis sie leer war, unendlich leer,

bis sie ging...

Es war doch einmal Liebe.

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So wird es sein

 

Manchmal fühle ich mich allein

und bin es doch nicht,

du bist da,

bist mir so nah,

wie es keiner vor dir war.

Du füllst mein Herz mit Liebe

und berührst meine Seele,

doch da sind die Stunden,

eingekehrt in mein Innerstes,

da spüre ich das Alleinsein mit mir selbst

und ich weiß,

so wird es sein

am Ende aller Tage.

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Flieg kleiner Vogel

 

Flieg kleiner Vogel,

flieg über die Gräber dahin,

flieg über die zerfledderten Leiber,

die in ihre Blute ertranken,

flieg über die geschundenen Kinderleichen,

über tote Mütter und Väter ~

und schau dich nicht um.

Sie alle starben einen unsinnigen Tod,

wurden mitten aus ihrem Leben gerissen,

weil ein seelenloser Aggressor zum Massenmörder wurde.

All ihre Seelen flogen viel zu früh gen Himmel ~

und sie klagen und sie mahnen

und sie kommen nicht zur Ruhe.

Flieg kleiner Vogel,

flieg über die zerbombten Häuser,

flieg über Schutt und Asche,

flieg über den Tod hinaus ...

hinaus ins bunte Leben!

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Sternenzauber

 

Ich bin in der Nacht mit den Sternen allein,

da dringt in mein Herz mir gleich Wehmut ein,

schon sehen die himmlischen Kinder mein Weh

und lassen erleuchten die Sternenallee.

 

Sie hüpfen und springen und schütteln sich

und streuen Sternenstaub fein säuberlich;

da pusten die Winde mit all ihrer Kraft,

verteilen den Glitzer voll Leidenschaft.

 

Ich sehe den Himmel der Nacht erstrahlen,

weil all die Sterne mit Sternenestaub malen,

der Zauber sich bald auf mein Herze legt,

all Wehmut wird zärtlich hinweg gefegt.

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Herzenslieder

 

 Mein Herz singt sein ureigen´Lied,

zart und leis´erklingt die Melodie ~

und es zieht bis hin zum Zenit,

der Raum, er taucht in Melancholie.

 

Es schwingen die Töne so sacht,

sie fliegen wie Federn davon,

Musik wie von Engeln gemacht,

in einer anderen Dimension.

 

Geigen und Harfen, sie schwingen,

gespielt von zärtlicher Hand,

Lieder der Liebe erklingen ~

und ziehen weithin über das Land.

~~~


Leben

 

Wie lebe ich mein Leben,

sag mir, wonach soll ich streben?

Ich sehe mir die Blumen an,

ihre Düfte ziehen mich in ihren Bann;

sie wehen im Wind ganz gelassen,

kein Kummer kann je sie erfassen,

kein Liebesleid, kein Ach und Weh,

sie stehen stolz nur an der Chaussee.

Ich seh die kleinen Vögel fliegen,

sah wie sie in die Lüfte stiegen;

sie kennen nichts als große Freiheit,

ziehen ihre Kreise weit,

setzen sich auf Zweige nieder

und singen froh mir ihre Lieder.

 

Ist es das Tanzen im Wind,

das Glücklich sein als Kind,

die Freiheit über den Meeren,

sollte ich all das begehren;

ist es das, was meinem Leben fehlt,

was mir dann die Tage erhellt?

~~~

 

Nacht wird´s

 

Es ist die Nacht, die vor mir steht

in ihrem weitgespannten Gewand,

wie schnell hat der Wind sie her geweht,

weit, weit über Felder und Land.

 

Und da stehen die Bäume ganz stumm,

sie träumen von schlafreicher Nacht,

ein Stern erwacht im Mysterium,

nachdem den Tag er schlafend verbracht.

 

Laternen zünden ihr Lichtlein an,

erhellen die Nacht uns im Nu,

Motten ziehen ums Licht ihre Bahn

und Vater Mond schaut alledem zu.

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Leere Stunden

 

Mit Begehren such ich Licht,

obwohl dunkle Nacht beginnt ~

und schon trübt sie mir die Sicht,

schnell wird meine Seel´mir blind.

 

Grad war sie doch auf erblüht

in des Tages letztem Schein,

froh und frei war mein Gemüt,

wertvoll mir, wie Edelstein.

 

Nun verdrängt die Dunkelheit,

geschwind und unumwunden,

meiner Seel´die Leichtigkeit,

leer sind mir nun die Stunden.

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In der Nacht

 

 Mein Stern steht in der Nacht,

im tiefen schwarzen Raum.

Bin soeben ich erwacht,

oder grüßt er mich im Traum?

 

Mein Herz will nach ihm greifen,

will seineWärme spüren,

oh lass die Nacht noch tiefer reifen,

möcht´so gerne ihn berühren!

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 Mühlen der Natur

 

Es wächst der Sturm gar heulend heran,

gierig bläst er die Wangen auf,

kein Beten ihn noch aufhalten kann,

denn mächtiger wird sein Verlauf.

 

Ich steh am Fenster und spür die Macht,

ich sehe die Kraft der Natur,

wie wild sie ist und wie aufgebracht,

sie spielt des Teufels Partitur.

 

Und ich weiß, wie klein wir Menschen sind,

noch wir uns als Herrscher fühlen,

viel zu lange warn wir alle blind,

nun mahlen sie, die mächt´gen Mühlen.

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Der weiße Traum

 

So still ist es geworden,

der Winter deckt das Leben zu,

überall, an allen Orten

kehren Stille ein und Ruh´.

 

Ganz leise fegten über Nacht

Schneewolken durch das weite Land,

verschenkten ihre weiße Pracht,

ich seh´ und staune wie gebannt.

 

Ein Märchen liegt zu meinen Füßen,

so rein und sauber scheint die Welt,

kann den Sommer nicht vermissen,

weil mir der weiße Traum gefällt.

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Lebensbaum

 

Es wiegt der Wind das Leben,

mit seinem kühlen Hauch,

lässt nachts die Seelen schweben,

wie´s Jahrtausende ist Brauch.

 

Führt sie in das Land der Träume,

wo Liebe wohnt und Herzlichkeit,

wo wachsen alle Lebensbäume,

eingehüllt in Raum und Zeit.

 

Auch deine Seele kennt ihn schon,

den Lebensbaum der Ewigkeit,

still wartet er auf seinem Thron,

auf das Ende deiner Zeit.

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Novemberliebe

 

Der Monat der Toten ist gekommen,

hat mich in seinen Bann genommen,

mehr als sonst noch fehlen die Lieben,

die gingen und auf ewig im Jenseits blieben.

 

Doch da bist du mit deinen offenen Armen

und deine Seele hat mit der meinen Erbarmen,

noch größer wird dein Herz in diesen Stunden,

bedeckt mit Liebe die noch offenen Wunden.

 

Du machst mir diesen November heller

und all die trüben Tage ziehen schneller

an mir vorüber, du lässt die Sonne strahlen,

tausend Sterne in den Abendhimmel malen.

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Novembertrolle

 

Dichter Nebel zog sich über den Tag,

ein Herbsttag, wie ihn kaum jemand mag,

doch ich fand ihn mystisch, fantasieanregend,

denn hunderte Trolle zogen durch die Gegend.

 

Sie huschten eiligst durch die Gassen,

über die Straßen, die feuchten und blassen,

suchten nach verirrten Sonnenstrahlen,

um sie dann schnellstens grau anzumalen.

 

Doch nun am Abend gaben sie Ruh´,

denn klar ist´s geworden, der Mond scheint dazu,

wie eine Sichel steht er zwischen den Sternen,

erhellt den Blick bis in die tiefen Fernen.

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Sie fehlen

 

Meine Liebsten, die ich einst verloren,

die sich der Himmel auserkoren,

sie fehlen mir so sehr im Leben,

sie zu sehen, was würd ich geben.

 

Wie gern hätt ich sie nah bei mir,

ach wären sie doch wieder hier ~

und nicht im Jenseits, weit dort oben,

von der Unendlichkeit umwoben.

 

Es gibt Tage, die sind kalt und leer,

da fehlt mir ihre Wärme sehr,

ich möcht´sie spüren, mit ihnen lachen

und nicht an ihren Gräbern wachen.

 

Es war so schwer, sie loszulassen ~

und nie wird meine Lieb´verblassen,

im Herzen trage ich sie zeitlos,

denn Liebe lebt und sie bleibt endlos.

 

Sie sind den Weg vorausgegangen ~

und nun von Raum und Zeit umfangen,

bewachen mich aus weiter Ferne,

bis wir uns sehn im Schein der Sterne.

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Herbsteiche

 

Golden strahlt sie im Sonnenlicht

und lacht hinaus in die Welt,

noch wissen ihre Blätter nicht,

dass ihre letzte Stund´bestellt.

 

Sie tanzten einen Sommer lang,

bewegten froh sich im Wind,

kennen weder Angst, noch Bang,

unbefangen wie ein Kind.

 

Nun leuchten sie in Farbenpracht,

der Herbst, er nahte allzu bald

und wird mit seiner Stürme Macht

hinweg sie fegen mit Gewalt.

 

Die Eiche wird dann schlafen geh´n,

wie viele Male vorher,

erst wenn Frühlingswinde weh´n,

erwacht ein neues Blättermeer.

~~~


Mein kleines Mädchen

 

Mein kleines Mädchen

ist nur Liebe,

reine und tiefe Liebe,

ist voller Unschuld

und Vertrauen.

 

Da ist ihr stiller Raum in mir,

eingehüllt in Wärme

und Geborgenheit,

erfüllt von Mitgefühl

und Menschenliebe...

und doch

wurde sie allzu oft enttäuscht.

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Oktober ist´s

 

Bunte Blätter liegen schon

unter Bäumen und auf Wegen,

des Herbstes farbig Attraktion

ist für mein Aug´ ein Segen.

 

Weiße Wolken steh´n zu Hauf

an dem blauen Himmelszelt,

doch noch in des Tages Lauf

ziehen Stürme um die Welt.

 

Kurz ist nun des Lichtes Zier

an den frühherbstlichen Tagen,

schmerzt uns auch sein träg´ Gezier´,

müssen wir es nun ertragen.

 

Sommer hat die Zeit verlassen,

seine Wärme mitgenommen,

ausgeglüht sind alle Gassen,

haben Herbstes Ruf vernommen.

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Das Kind lebt

 

Viel zu lange wusste ich nichts von dir,

wusste nicht, dass es dich gibt,

dass du in mir lebst,

wusste nichts von deinen tausend Ängsten,

deiner großen Not.

Niemand war für dich da,

niemand stand an deiner Seite,

der dir deine Ängste nahm,

der deine kleine Seele schützte.

Du lebtest in der Dunkelheit,

ganz allein in großer Not und Pein,

über Jahrzehnte,

bis ich dich entdeckte,

bis ich mir deiner bewusst wurde

und ich dir versprach,

dir all meine Liebe zu schenken auf ewig.

Und ich erkenne immer wieder,

dass ich dir in Panikzeiten

nicht genügend Schutz und Liebe schenke…

sodass du dich wieder verlassen fühlst.

Ich lerne, ich lerne immer weiter,

bis wir wieder eins sind

und uns gegenseitig halten.

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Oktoberspaziergang

 

Für heute ist kein gutes Wetter gemeldet,

es soll regnen und stark winden...

doch nun scheint die Sonne

und weiße Wolken ziehen am blauen Himmel.

So mache ich mich auf zu einem Spaziergeng,

den ich glaubte, heute nicht machen zu können.

Recht schnell merke ich,

dass ich zu warm angezogen bin,

denn der Wind kommt aus Süden und ist lau,

ich genieße ihn, recke ihm mein Gesicht entgegen,

sodass er mit meinen Haaren spielen kann.

Dieses leichte Dahin wehen des Windes

schenkt auch mir eine Leichtigkeit,

die ich gerne annehme, die ich atme.

Ein mannshohes Maisfeld neben mir

erscheint schon recht vertrocknet

und so rascheln die großen Blätter im Wind.

Eine Weile bleibe ich stehen,

genieße dieses Rascheln und Rauschen,

die Musik der Natur ist unübertrefflich.

Auf einem Gründungfeld

leuchten hier und da bunte Blüten

und Schmetterlinge besuchen sie,

um den letzten Nektar aufzunehmen;

wären da nicht schon abgeerntete Felder,

ich würde an den Frühling glauben.

Immer wieder geht mein Blick zum Himmel,

zu den vielen weißen Wolken,

die behäbig ihren Weg ziehen,

das ist Freiheit pur...

ach könnte ich doch mit euch ziehen.

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 Letzte Sommertage

 

Der kleine Fluss, er schlängelt sich

behäbig in diesen Tagen,

seine Wasser fließen ewiglich,

still und ohne zu klagen.

 

In des Sommers letzten Stunden

liegt er kühl in mancher Nacht,

denn heiße Tage sind entschwunden ~

und mit ihnen die Sonnenmacht.

 

Sind dann die Nächte frisch und klar ~

und Sterne stehn am Firmament,

spiegelt sich die Sternenschar

auf seinem Antlitz, ganz dezent.

 

An manchem Morgen deckt

ein leichter Nebel ihn schon zu,

alsdann wird später er geweckt,

genießt die morgendliche Ruh´.

 

Und kommt des Herbstes erster Tag,

lässt´s ihn in seinem Bett erahnen:

"bald kommt die Zeit, die ich nicht mag,

wenn ich fließ in eisig Bahnen."

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 Dummer Mensch

 

Lauer Regen fällt auf die Welt,

wer hat diesen Segen bestellt?

Pflanz und Tier schon lange darben,

ihre Seelen tragen Narben,

allzu hart ist das Erdenreich,

trocken, beinah schon wüstengleich,

Platz zum Leben bleibt ihnen kaum,

tiefe Wälder nur noch ein Traum.

Es ist der Mensch in seiner Gier,

der weder achtet Pflanz noch Tier,

er sägt am Ast, auf dem er sitzt,

obwohl er Teil vom Ganzen ist.

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 An Mecklenburgs Küste

 

Ein heißer Junitag in Mecklenburg,

Felder und Wälder bis an die Küste,

weiße Strände mit feinem Sand

und die Wellen der Ostsee locken.

Heute wird es wieder ein heißer Tag,

die Sonne steht schon früh am Himmel

und lacht in den jungen Morgen,

das große Mohnfeld leuchtet in die Welt,

Mohnblumen tänzeln in der leichten Brise

und die Getreidehalme daneben tänzeln mit.

Feldlerchen singen schon seit Sonnenaufgang,

Schwalben, die in den Reetdächern nisten,

fliegen ihr Auf und Ab in Verfolgung der Mücken,

zwitschern ihr Geschwätz dazu ~

und Hasen hoppeln durch die Landschaft;

es liegt eine Ruhe über dem Land,

die meine Seele durchatmen lässt.

Auch das Meer scheint noch nicht aufgewacht,

denn glatt liegt es und glänzt im Sonnenschein,

kleine Boote dümpeln vor sich hin

und sehen ihr Ebenbild im Meeresspiegel.

Zwei Möwen, auf dem Rand eines Bootes sitzend,

träumen in den neuen Tag,

der sie noch nicht wirklich erfasst hat,

sicher schwimmen vor ihrem geistigen Auge

kleine, leckere Fische im Meer dahin,

aber noch ist der Hunger nicht groß genug,

um sich in die Lüfte zu erheben

und die Leckerbissen zu erhaschen.

Ein kleines Fischerboot kehrt zurück,

das wohl schon vorm Morgenrot seine Fahrt antrat;

erst sehe ich nur eine Silhouette,

dann wird es langsam immer größer,

ein einzelner Fischer steuert das Boot ~

und ich frage mich, ob sich der Fang wohl gelohnt hat?

Es kommt ein leichter Wind auf

und erste Wellen laufen an den Strand,

bedecken meine Füße mit angenehmer Frische ~

ein Tag wie für mich gemacht,

ich werde ihn genießen.

 

Juni 2021

Zierow / Mecklenburg

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 Sommergewitter

 

Es ist ein schwül heißer Sommertag,

viel zu heiß, als dass ich ihn mag,

feuchte Luft die steht, kein Wind der geht,

kein leiser Hauch, der Frische weht.

 

Mensch und Tier sind unendlich träge,

als ob ein Gewitter läge

in schwüler Luft, so fühlt es sich an ~

und schon zieht Donnern heran.

 

Ein Blitz, noch in der weiten Ferne,

der mit aller Kraft so gerne

zerstören mag, was er denn so kann,

egal ob Maus, ob Baum, ob Mann.

 

Da schon färbt sich der Himmel ganz grau,

verschwunden  ist das Azurblau ~

und man ahnt der Natur Gewalten,

die wohl alsbald sich entfalten.

 

Es zuckt ein Blitz und mag zerstören,

tiefes Grollen ist zu hören,

die dunkle Regenfront ist ganz nah,

das Sommergewitter ist da.

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Mein Tag

 

Still und träg ist dieser Tag,

genau wie ich ihn heute mag,

sachter Wind weht durch die Straßen,

leergefegt sind all die Gassen.

 

Grau Gewölk verdeckt die Sonne

und doch ist dieser Tag voll Wonne,

er lässt die Zeit einfach geschehen

und das Leben leiser gehen.

 

Eine Melodie klingt in mein Ohr,

sie tritt aus einem Haus hervor

und passt genau zu diesen Stunden,

die einfach nur das Sein bekunden.

 

Es ist ein Tag zum Kräfte tanken,

so lass ich los von den Gedanken,

geb mich ganz dem Nichtstun hin,

denn nur dann weiß ich, ich bin!

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Erwachen

 

In den Wiesen ist ein Flüstern,

morgens, wenn der Tag erwacht,

wenn die Sonne, fast schon lüstern

das Dunkel verjagt und lacht.

 

Ist ihr Sonnenmantel ausgebreitet

und hat den restlich´ Tau geleckt,

hat das Licht, das sie begleitet,

den letzten Käfer aufgeweckt.

 

Jetzt beginnt ein emsig´ Treiben,

wie an jedem Morgen wieder,

keiner will am Nachtplatz bleiben ~

und Vögel trällern ihre Lieder.

 

Der kleine Bach, er murmelt weiter,

treibt es ihn doch Tag und Nacht,

muntre Fische schwimmen heiter,

die er trägt mit viel Bedacht.

 

Wenn dann die zarten Elfen gleiten

übern süßen Himbeerberg,

sich ihr erstes Mahl bereiten,

dann beginnt des Tages Werk:

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Leidenschaft

 

Blicke, die voll Sehnsucht sprechen

Hände, die sich finden

Münder aufeinander pressen

Finger sich verbinden

Leiber, die vor Hitze glühen

In Erwartung beben

Fantasien, die erblühen

Sich ganz hinzugeben

Körper zueinander drängen

In Sinnlichkeit ertrinken

Heißerglühte Zellen sprengen

Und in Lust versinken

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Verlorenes Paradies

 

Ich seh die weißen Wolken zieh‘n,

lass mich von ihnen tragen,

um dieser Ödnis zu entflieh‘n

und all den tausend Fragen.

 

Wie sieht die Welt von morgen aus,

wird die Erde überleben,

bringt unser Sein in Saus und Braus,

sie gar vielleicht zum Beben?

 

 Ist denn jeglich Seel‘ verschlossen,

alle Herzen eingesperrt,

jede Liebe ausgegossen,

Menschlichkeit nicht mehr begehrt?

 

Quält der Mensch die Tiere weiter,

missachtet  alles Leben,

steigt immer höher auf der Leiter ~

wird ihm denn je vergeben?

 

Doch da der Mensch nicht fähig ist,

ohn‘ Gier zu existieren,

so wird er einst als Egoist,

sein Paradies verlieren.

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Zeitgericht

 

Einst bin ich in die Zeit gestiegen,

aus der tiefen Dunkelheit,

Licht ward mir in all den Siegen,

es dunkelte die Einsamkeit.

 

Stets habe ich den Kampf gesucht,

dort, wo es von Nöten war,

kundgetan und auch geflucht,

ehern und unwandelbar.

 

Doch auch eingespannt, verpflichtet,

helfend bis zum Untergang,

die Seele klein... vernichtet,

bis zum lauten Abgesang.

 

Was wird sein vorm Zeitgericht,

was wird dann überwiegen,

wenn ganz offen das Gesicht ~

und nichts mehr wird verschwiegen?

 

Nimmst du mich dann an deiner Hand,

sodass die Ängste schwinden,

führst mich in das Herzensland ~

und lässt mich meinen Frieden finden?

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Sehnsucht

 

Ich stehe still am weißen Strand,

von Augen des Himmels getragen,

da löst sich dieses bleiern Band,

gebunden in tausend Tagen.

 

Ich spüre all die Stunden weichen,

die mit Sehnsucht war´n beladen,

willst du mir die Hand nun reichen,

auf diesen weiten, freien Pfaden?

 

Lass uns in dieser Stille steh´n,

unsre Herzen sich umarmen,

in die Augen der Liebe seh´n,

ich möchte ruh´n in deinen Armen.

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Im Kreis

 

Hab einen Kreis um mich gezogen,

meine stumme Seele eingeschlossen,

nach tausend einsam' Dialogen,

die Worte einfach hingegossen.

 

Nun sprießen sie ins Nirgendwo,

wem könnten sie was sagen?

Irgendwo im anderswo,

werden sie erneut versagen.

 

Im Kreise werd ich stille sein ~

und alles überwinden,

all die Worte war'n zu klein,

um mein Glück zu binden.

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Januarmorgen

 

 Mein erster Augenaufschlag

Ein leises Gähnen

An diesem Morgen im Januar

Eingekuschelt in die Wärme des Bettes

Von den Träumen verlassen

Spüre ich ... dich

Dein Arm ruht auf mir

Ich höre dein ruhiges, gleichmäßiges Atmen

Fühle diesen feinen Hauch auf meiner Schulter

Der mich Leben spüren lässt

Unser Leben

Unsere Liebe

Du und ich

Ich bin geborgen

In deiner Liebe

Zwei, drei Zentimeter rücke ich näher zu dir

Mehr Raum lag nicht zwischen uns

Und doch will ich dich ganz spüren

Dich und deine Wärme

Und deine Liebe

An diesem Januarmorgen

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Des Herbstes Zauberwald

 

Wenn das Mondlicht an den Bäumen leckt,

Sterne ihre Wunder zeigen,

die herbstlich Nacht den Wald bedeckt,

tanzen Engel Liebesreigen.

 

Ein Hauch von Frieden legt sich nieder

auf diese angehauchte Pracht,

melodisch schöne Feenlieder

beenden herbstlich kühle Nacht.

 

Das Morgenrot ist leicht erblasst

hinter einem Nebelschleier,

doch wenn´s die rechte Stund erfasst,

wird die Sonne zum Befreier.

 

Bald schon lässt sie Strahlen tanzen

über buntem Zauberwald,

Farben sich nicht mehr verschanzen,

von hellem Lichte angestrahlt.

 

Erwacht ist auch die Zauberhand,

tupft neue Farben in die Zeit,

ein schillernd buntes Märchenland

hält dieser Tag für uns bereit.

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Sommergedanken

 

Die Leichtigkeit der Sommerzeit

trägt mich durch diese Tage,

es sind mir die Gedenken weit ~

und nichts stell ich in Frage.

 

Es glüht die Sonne überm Land

und lässt die Ähren reifen,

ich stehe da am Feldesrand,

lass meine Blicke schweifen.

 

Da denk ich an die Kinderzeit,

als die Menschen auf den Feldern,

wo heute nur noch Einsamkeit ~

es ist nicht mehr wie gestern.

 

Ich seh vor meinen Augen Bilder,

die mich lächeln lassen,

leiser war das Leben und auch milder,

einmal noch möcht ich es fassen.

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Meeresstunden

 

Schnell ist dieser Tag am Meer vergangen,

weil er tief in seiner Zeit gefangen ~

schon breitet Abend seine Arme aus,

legt still sie um des Fischers kleines Haus.

 

Da bläst Poseidon seine Wangen auf

und lässt die wilden Winde los zu Hauf,

bis diese in den Wanten singen,

die Boote einen Chor anstimmen.

 

Es scheint, der Gott der Meere ist erzürnt,

denn weiße Gischt die Wellenkämm´erstürmt,

die eilends sich einander jagen,

gemeinsam diese Stund´beklagen.

 

Ganz selig verschläft der Fischer die Nacht,

von allen Engeln der Meere bewacht,

als er früh morgens verlässt den Hafen,

liegt still das Meer, als hätt es geschlafen.

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Träume

 

Und da sind dann diese Träume

von Menschlichkeit und Wohlgefallen,

dem Leben mit- und füreinander

und Liebe, die im Sturm besteht.

Da sind Vögel, die die Zeit besingen,

Tiere ohne Angst und Qual,

Tage voller Sonnenlachen ~

und Winde, die den Geist befrei´n.

Blumen, die im Tanz sich küssen,

weil ihr Dasein voller Freud,

Flüsse leise gurgelnd fließen,

sacht von der Natur getrieben.

Bäume streben hoch gen Himmel,

wie alle Seelen dieser Welt,

um in diesem Raum des Friedens

vereint zu sein in tiefer Lieb.

da sind immer noch die Träume.

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Verankert

 

Tief verankert inmitten von Fernen,

lass ich meine Gedanken fliegen,

übern Horizont, hin zu den Sternen,

die sie sacht im Lichte wiegen.

 

Mit an Bord meine Träume von Freiheit,

ich möchte meinen Anker lichten,

möchte entfliehen der rastlosen Zeit ~

und allen weltlichen Pflichten.

 

Doch weiß ich auch um Stürme, die toben,

auf allen so schutzlosen Meeren,

drum werde ich mir den Anker loben,

meine kleine Bucht begehren.

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Morgen am Meer

 

Am Ufer stehend, am frühen Morgen,

dicht bei dem noch schläfrigen Meer,

fühle so seltsam ich mich geborgen,

warm und weich und gar sorgenleer.

 

Der Horizont ist kaum zu erkennen,

noch hält das Meer ihn im Arm,

wie zwei Geschwister, die sich nicht trennen,

inniglich und herzenswarm.

 

Mein Herz wird mir leicht, umarmt diesen Tag,

der auf lautlosen Sohlen geht ~

und im Fluge hat er, wie ich es mag,

all´Kälte und Enge verweht.

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Abend am Hafen

 

Das Abendlicht liegt überm Hafen

Kleine Boote schaukeln sacht

Leise ging die Sonne schlafen

Überlässt der Nacht die Macht.

 

Ein verspätet Fischerboot

Fährt noch in den Hafen ein

Taucht den Bug ins Abendrot

Das Heck bedeckt vom Lampenschein.

 

Der Horizont verfärbt sich nun

Dunkelheit taucht in das Meer

Selbst die lauen Winde ruh´n

Straßen werden menschenleer.

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