Vaterland

 

 Lieb Vaterland, war stolz auf dich,

Jahrzehnte hast behütet mich,

hab Arbeit und ein gutes Leben,

Familie ist mein einzig Streben.

 

Hab eine Frau und auch ein Kind,

ein zweites kommt nun bald geschwind,

es ist die Liebe, die uns prägt,

die meine kleine Familie trägt.

 

Lieb Vaterland, du rufst nach mir? ~

und meinst, ich müsse folgen dir!

Es steh´n schon überall die Waffen,

mit Krieg willst du nun Frieden schaffen?

 

Das Unheil hast nur du verbrochen,

politisch deinen Eid gebrochen,

nun rufst mit Elend du und Qual ~

ach Vaterland, du kannst mich mal!

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 Ohne Gewähr

 

  Der Baum steht still und schweiget
voll Demut vor sich hin,
kein Wind, der´s Haupt ihm neiget,
heut ist Endzeit´s Beginn.

Der Mensch, der ihn beraubte
seiner Kraft, seiner Zier,
weil er an nichts mehr glaubte ~
... erstickt an seiner Gier.

Die letzte Frucht verdorben,
durch Schmutz und tote Luft,
Gebete sind gestorben,
vermodern in der Gruft.

Alte Flüsse, sie krochen,
erbrachen sich ins Meer.
Starre Leiber und Knochen ~
Mensch sein war ohne Gewähr.

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Warum

 

Und wieder kehren sie heim

In Eichensärgen,

Bannerbedeckt,

Herzen aus Leibern gerissen.

 

Vaterlose Kinderseelen,

In Tränen ertränkte Herzen

Klagen an und fragen:

Warum?

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Verlierer

 

Er hält die leere Flasche noch in der Hand,

hat wieder Alkohol satt, bis an den Rand,

im Stadtpark ist heute er eingeschlafen,

liegt in den Armen der Engelein, den braven.

 

Sein Leben in unserer Welt war schwer,

denn längst schon achtete niemand ihn mehr,

er stand auf der Leiter unterster Sprosse

und war ungeliebter Bewohner der Gosse.

 

Doch war er ein Mensch wie du und ich,

aber das Leben beutelte ihn fürchterlich,

als sein guter Job ihm ward genommen,

ist Glück aus seinen Händen geronnen.

 

Er war nicht stark genug, er war nur gut,

so fehlten ihm Kraft und jeglicher Mut,

mit Ellenbogen sich durchzusetzen,

von Stund an ließ er sich verletzen.

                                                               

Seine Wunden wurden immer tiefer

und sein Leben dabei täglich schiefer,

als er tief verletzt war bis ins Mark,

dacht er, Alkohol macht ihn wieder stark.

 

Das war der Trugschluss seines Lebens,

alle Hoffnung war damit vergebens,

hat man die Achtung vor dir verloren,

bist zum Untergang du auserkoren.

 

Die Menschheit urteilt fürchterlich,

lässt Verlierer leider schnell im Stich,

kaum ein Mensch denkt dann daran,

dass morgen er ihm folgen kann.

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Krieg und Frieden

 

Den Frieden sucht die Welt vergebens,

entgegen der Achtung jedes Lebens,

zündeln immer wieder Bösewichte,

alle Friedensträume zunichte.

 

Reich könnte sie sein, unsere Welt,

wären da nicht lockend Macht und Geld.

Die nach dem falschen Reichtum streben,

vernichten manches Menschenleben.

 

Unrecht handelt der Kriminelle,

stillt seinen Hunger auf die Schnelle,

indem er seine Brüder beraubt,

weil er an das Böse nur glaubt.

 

Mörder gibt’s und Kinderschänder,

die jäh zerreißen alle Bänder,

die je von Menschlichkeit gezeugt,

Lebensachtung wird tief gebeugt.

 

Ein Leben ward uns einst geschenkt,

und der, der alle Geschicke lenkt,

gab leider uns auch die Möglichkeiten,

über Krieg und Frieden zu entscheiden.

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Mensch, du bist ein Zwerg 

 

Mensch, du bist ein Zwerg,

dabei spielst du dich auf,

als wärest du wirklich

die Krone der Schöpfung,

alles machst du dir untertan,

zerstörst andere Leben,

die in deinen Augen

nicht wichtig,

zerstörst die Umwelt,

mit deinem Wahn,

immer größer zu werden,

zerstörst auch damit

den Lebensraum,

den alles Leben braucht.

 

Dabei muss unsere Mutter Erde

nur einmal räuspern,

nur einmal ganz tief Luft holen –

dann stürzt dein Traumhaus ein

und damit Dein Leben,

welches gar keines ist.

Dabei muss unsere Mutter Erde

nur einmal ihre Lungen aufblähen,

ihre Meere ausgießen,

ihre heiße Glut ausspucken –

und du Zwerg,

du bist nicht mehr!

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Menschlein klein

 

Wir beeinflussen die Mächte der Welt,

doch was nützt uns all unser Geld,

wenn die Natur sich wehrt?

Schnell sind wir dann ausgezehrt,

wenn sie uns ihre Gaben nicht mehr schenkt,

all ihre Geschicke gegen uns lenkt.

Dann spüren wir, wie klein wir sind,

möchten zurückdrehen das Rad geschwind,

alle Wunden der Natur wieder nehmen,

Liebe und Achtung ihr wieder geben,

doch dann wird zu spät es sein,

für das arme Menschlein klein.

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Mitten unter uns

 

 Auf seinem alten Sessel sitzt er, ist alleine,

weit geht sein Blick aus dem Fenster hinaus,

der Fernseher läuft, wie meist, nur zum Scheine,

bringt trügerisches Leben in sein Haus.

 

Einen Teekessel hat auf den Herd er gestellt,

um sich ein Getränk zu bereiten,

niemand da, der sich zu ihm gesellt,

nur schöne Erinnerung an bessere Zeiten.

 

Grad ist er in seinem früheren Leben,

als Frau und Kinder noch bei ihm waren,

alles hat er damals für sie gegeben,

sie waren eine Familie, die Untrennbaren.

 

Die Kinder leben ihr Leben ohne ihn heute,

seine Frau hat längst der Tod ihm genommen,

all das, was im Leben ihn immer erfreute,

ach könnt er doch nur zurück es bekommen.

 

Er friert, hat keine Kraft sich zu erheben,

die wärmende Decke erreicht er nicht,

bald kommt sein Pfleger, bringt neues Leben,

dann wird für Minuten die Welt voller Licht.

 

Dreimal täglich, laut Rezept verschrieben,

kommt der Sozialdienst, Menschen, die er mag,

das allein ist ihm vom Leben geblieben,

drei mal mehrere Minuten am Tag.

 

 In kurzem Zeittakt wird Menschlichkeit bemessen,

für Liebe und Wärme bleiben nur Sekunden gar,

manch Leben wird von den Nächsten vergessen,

tiefste Einsamkeit, mitten unter uns, fürwahr.

 

Die Zeit dazwischen spürt meistens er kaum,

er döst vor sich hin, ist nur noch stumm,

ist die Stund’ gnädig, findet er sich im Traum,

die Welt jedoch ist leise um ihn herum.

 

In Gedanken bei ihr, verbringt er oft die Zeit,

bei ihr, die seine Liebe des Lebens ihm war,

erträglich ist dann seine Einsamkeit,

entlockt ihm manchmal ein Lächeln sogar.

 

Manch Trugbild zeigt sie ihm in der Küche stehen,

zeigt, wie die Betten sie frisch für ihn macht,

von Raum zu Raum sieht er hin und her sie gehen,

wie alle Blumen sie gießt und dabei lacht.

 

Wie ein Engel war sie, schenkte Leben dem Haus,

ihre Wärme erfüllte jedes Zimmer,

ihr Geist lebt für ihn weiter, tagein, tagaus,

so ist’s nicht nur heut, so wird es sein für immer.

 

Längst wollten ins Heim sie ihn bringen,

dabei will er hier in ihrer Nähe nur sein,

ein Kampf ist’s, ein stetiges Ringen,

denn nur hier lebt sie noch, für ihn allein.

 

Eingesunken sitzt er nun in seinem Sessel,

sein Blick hat sich auf dem Boden verloren,

in der Küche pfeift lange schon der Teekessel,

der Himmel hat soeben ihn auserkoren.

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