Jahr und Tag

 

Wie doch ein Sein kann werden

Nach so vielen Jahren hier auf Erden

Und so träum ich vor mich hin

Tausende Tage im Sinn

Königinnenstunden

Weltenwunden

Hoch geflogen, tief gefallen

Wie doch die Tage widerhallen

Ich öffne mein Fenster und schließe es wieder

Denn es regnet alle Sünden nieder

Ich möchte sie jagen, möchte sie scheuchen

Bis sie aus dieser Welt entfleuchen

Doch blieben sie nicht ungeschehen

Für meine Seel´nicht ungesehen

So lasse die Türe ich unberührt

Bevor sie mich ins Verderbnis führt.

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Fragen

 

Sag mir, wo beginnt die Nacht,

wo stehen all die Sterne,

wo endet der Tag mit Macht ~

und wo endet die Ferne?

 

Ist der Horizont zu greifen,

was sehe ich im Nichts,

wer lässt all die Winde reifen,

erzeugt den Schein des Lichts?

 

Wird´s die Liebe ewig geben,

werden Hass und Neid ganz klein,

wird vielleicht mein kleines Leben

nicht umsonst gewesen sein?

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Verboten

 

Es ist mein Blut, das mich bezwang

den Einen von mir zu weisen,

nun zieht meine Seel´am Geblüm entlang,

verzweifelt, in einsamen Kreisen.

 

Oh du mein Herz, warum hast du nur

die alten Stimmen erhört ~

und diesen einen, herzehrlichen Schwur

so kühl und verblendet zerstört?

 

 Die dunkelste Nacht nun trägt mich kalt

in die einsame Starre des Seins,

nur lichtleere Straßen in ihrer Gestalt ~

und das Leben? Nein, Leben gibt´s keins.

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Einsam

 

Verlassen abends alle Straßen,

wenn die Stadt sich schlafen legt,

einsam auch die kleinen Gassen,

öde, trostlos, leergefegt.

 

Nur der Bettler schaut durch jede Scheibe,

jede Tür, in jeden Schacht,

auf der Suche nach der Bleibe,

die ihn trägt durch diese Nacht.

 

Einsamkeit macht tränenleer,

schenkt dem Geiste nur noch Schmerz,

des Bettlers Füße, bleiern schwer,

sind sie doch müde, müde wie sein Herz.

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Seele in der Hand


Ausgebrannt, die Seele in der Hand

Nacktes Überleben
Und alle Weiten sind verbannt
Den Tagen bleibt ein ängstlich Beben.


Es sind die Träume mir verloren
Wo ist nur das Sternenheer
Keiner wird mehr neu geboren
Und auch die Flüsse fließen nicht mehr.

Selbst die Musik ist längst verklungen
Alle Stunden ohne Laut
Versprochen einst von Engelszungen
Ist alles in der Zeit ergraut.

Münder woll'n nichts mehr verkünden
Und alle Herzen sind so leer
Selbst in den tiefsten Wiesengründen
Blühen keine Blumen mehr.

Einsamkeit in allen Welten
Wo bleibt nur des Lebens Sinn
Selbst in all den Himmelszelten
Fließen nur die Stunden hin.

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Schrei der Nacht

Es ist der Schrei der Nacht,
der lautlos mich erfüllt ~
und mit aller Macht
meine Sehnsucht schwillt.

Ich greif nach den Sternen,
die glüh'n am Firmament,
überwinde Fernen,
bis mein Herze brennt.

Nun gibt es kein Zurück
in frostig Einsamkeit,
sternenhelles Glück
lebt hier meine Zeit.

Jedoch der Morgen ruft
in mein Seelig sein,
kalt alsbald die Luft,
alles war nur Schein.

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Tiefe

 

 

Die Tiefe dieser Welt
wird sich mir nie erschließen,
geboren und hinein gestellt:
komm... lass es fließen!

So trieb ich mit dem Lebensfluss
hinein in meine Tage,
es war ein Wollen und ein Muss,
ist nach dem Sinn die Frage.

Und so sehe ich mich gehen,
in meinen eig'nen Spuren,
die alsbald die Wind' verwehen,
in diesen endlos weiten Fluren.

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Sturm der Zeit

Oh, halt die Winde in der Hand,

denn sie möchten stürmen
über sommerwarmes Land
und den Tag erzürnen.

Diese Stunden sind ein Teil
meiner winz'gen Ewigkeit,
die ich hoffend hier verweil ~
und im Sturm verweht die Zeit.

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Tränenperlen

 

 Manchmal
in einer schlaflosen Nacht
erscheinen Tränen wie Perlen mir

und ich fädele sie auf
Perle für Perle
auf einen Faden aus Träumen

und versenke sie
im Rot des jungen Morgens

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Stille Stunden

 

Ich liebe die Tiefe

meiner stillen Stunden,

wenn all die Wunden

ihre Häupter neigen

und fortan schweigen.

Wenn dann die Seele
die Flügel ausbreitet,
von Sehnsucht geleitet
sich löst und erhebt,
ganz leise entschwebt.

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Bis zum Hahnenschrei

Es sprengt eine Weite beinah mir die Brust,
hat gar endlos viele Triebe ~
und schau - im Herzen tanzt die Lust
Ringelreihen mit der Liebe.

Mein Geist möcht ins Unendlich fliehen,
denn viel zu eng ist ihm die Welt,
ach, könnt er mit den Träumen ziehen,
sternwärts, tief ins Firmament.

Dort, losgelöst von aller Schwere,
weit entfernt vom kleinen Erdensein,
dort, in der himmlisch stillen Leere,
frei sein... bis die Hähne schrei'n.

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Schicksal

 

"Das Schicksal meint es gut mit dir" ~
man sagte es dir schon so oft,
doch wer weiß denn schon?
Das Schicksal trägt sich nicht offen,
es stellt dein Gesicht in die Zeit,
schließt die inner´n Gewänder
und waltet in dir ~
wie ein Sturm, aus der Hölle entlassen,
wie ein Licht, das dem Himmel entsprang ~
und du kennst das Leben nicht...
doch wer weiß das schon?

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 Morgen


Auf morgen liegt all meine Hoffnung,

morgen wird alles gut.
Dann, ja dann beginnt meine Zeit.
Es wird heller sein, als heute
und viel heller, als gestern ~
in meiner Seele und in meinem Herzen;
nicht nur der Tag wird leuchten.

Ich sehe mich schon stehen ~
mit einem Lächeln auf den Lippen,
reiner Liebe im Herzen,
mit weit geöffneten Armen...
...für mein Gegenüber,
...für andere Seelen...
...und für mich.
Die Gedanken endlich frei,
von Flügeln getragen, über den Horizont,
dorthin, in diese endlose Leichtigkeit,
die sich auch meiner Seele bemächtigt
und mich befreit von Ängsten,
von all diesen Ängsten aus dem Gestern.
Morgen...
...ja morgen!

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Glück

Tango tanzen, Wolken fangen,
Sternenpflücken in der Nacht,
Menschenhände, rote Wangen
und ein Mund, der lacht.

Wasser aus dem Bächlein trinken,
spüren, tief ins Herz hinein,
lieben, bis die Lider sinken
in dein Glücklich sein.

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Seelenkind

Meine Seele ist so leer,

hilflos scheint sie mir nach Halt zu suchen,
nach einem Sinn für ihr Sein.
Sie möchte sich einkuscheln
in eine große, warme Hand,
eine Hand, die sie umfassen kann,
die sie schützen und die sie tragen kann,
die sie wortlos umhüllt
und alle Ängste nimmt,
denn meine Seele ist noch Kind,
wehrloser, als ich je gedacht.

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Nachts

   

Trag meine Gedanken hinaus in die Ferne,
ich möcht wieder leichten Herzens sein,
dort, im ewigen Garten der Sterne,
sind all meine Sorgen so klein.

 

Ich werde das Sternenlicht tanken,
bis hell erleuchtet mein Herz,
mit der Sichel des Mondes wanken,
verlieren jeglichen Schmerz.

Und gibt die Nacht mich dann frei,
wird es ein Leichtes mir sein,
hoffnungsfroh und sorgenfrei,
zu erspüren mein neues Sein.

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Vaters geliebtes Gesicht

 

Dein Antlitz war so wunderschön,

denn da waren die Spuren deines Lebens,

eingegraben, wie kleine Furchen auf einem Feld.

Kleine Hügel, kleine Täler,

feine Äderchen und Tränensäcke,

die Augenlider lagen auf den Wimpern

und auch deine Lippen trugen Fältchen.

Kleine Lachfalten umspielten deinen Mund

und deine Stirn trug Spuren der vergangenen Sorgen,

umrahmt von ergrautem Haar.

Manchmal verlor sich dein Blick im Innern,

manchmal auch in der Ferne ~

manchmal jedoch lachten deine Augen und sprühten,

wie die eines Kindes ~

und du ließest in deine Seele blicken,

tief in deine Kinderseele.

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Es mehren sich die Jahre

 

Immer größer wird mein Sein,
es mehren sich die Jahre,
so schnell vergeht die Zeit im Schein,
schärft den Blick fürs Offenbare.

Immer weiter wird mein Herz,
wenn auch der Wind zum Sturm sich bläht,
fernwärts bläst er mir den Schmerz,
weil Liebe stets nur Liebe sät.

Immer freier wird mein Seel´~
und der Horizont verschwimmt,
wenn als kostbares Juwel
einst die Ewigkeit mich nimmt.

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Sehnsucht

Es steigt die Sehnsucht aus den Flüssen,
legt wie ein Schleier sich zur Nacht ~
und Menschen, die allein sein müssen,
ergreift alsbald schon ihre Macht.

Wie Lieder, die noch nicht geschrieben,
Musik, die keine Noten kennt,
werden Herzen nun getrieben,
von Lieb, die keinen Namen nennt.

Es wird das Rot des Morgens sein,
das Hoffnung auferstehen lässt,
wenn´s sich erhebt vorm Sonnenschein,
den dunklen Horizont verlässt.

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